Andreas Zagler  - Malerei als Konzept -

Es wirkt ganz so, als schwebten blaue, grüne und weiße Streifen über den Bildoberflächen und würden dabei Schatten auf diese werfen. Doch bald erkennt man, dass es sich um Malerei auf Leinwänden handelt, um Farben auf Flächen, die eine dritte Dimension vortäuschen: Der gemalte Raum ist Illusion und doch auch wirklich - gemalt von Andreas Zagler, der hier ein ambivalentes Phänomen vorstellt - Raum genauso real wie irreal. 

Zaglers Malerei überrascht unsere Augen; oft handelt sie von der Verblüffung durch optische Täuschung, doch auch von mehr, denn malend bedenkt der Künstler zudem seine Situation als Maler in einer von digitalen Medien zunehmend eroberten Wirklichkeit. Zagler reflektiert damit zudem Fragen danach, was wir sehen und wie wir sehen.

Seine Malerei erscheint minimalistisch oder konkret, auch realistisch, wenn er bei „Pool“ horizontale Wellen parallelisiert oder ein Rubens-Porträt exakt kopiert. 

 

Doch beim Kopieren allein belässt er es nicht: Rubens´ berühmtes Bildnis seiner Tochter Clara Serena wird von ihm nicht nur mit rosa Farbtönen verfremdet, er hat darüber hinaus in die feuchte Farbe wie zufällig Streifen und Striche gezogen - er tut also etwas, das im bürgerlichen Kunstverständnis absolute verboten ist - er beschädigt das Meisterwerk des genialen Vorgängers willkürlich. Zudem benennt er das Bild um, nennt es „Lotte“, er macht nicht halt vor der Geschichte des Werkes, ignoriert also Konventionen und eignete es sich mit solchen Taten und Gesten an.  

 

Was steht hinter solch einem Tun? Vermutlich doch etwas mehr, als die dreiste Überschreitung und respektlose Überschreibung eines berühmten Werks ins eigene Oeuvre?

 

Peter Funken,  aus dem Katalog Habitat, der zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Heckenhauer vom 24.06.-31.07. 2021 erscheint

 











Mit rein malerischen Mitteln erschafft Andreas Zagler  die Illusion einer Räumlichkeit, deren Tiefenwirkung ein trompe l’oeil ist, das der Abstraktion der Striche im Schattenwurf Gegenständlichkeit zu verleihen scheint, als mache erst dieser sie real….

Der Junge, der einen weißen Hasen in Händen hält, veranschaulicht dies vielleicht am eindringlichsten:
Andreas Zagler lässt seine konkrete Erscheinung verblassen hinter scheinbarer Vergilbung und
Verknitterung, überlagert sein Abbild mit Strichen und Tupfen pastoser Farbe – als habe er die
Realität einer tatsächlichen Existenz in Form von Knabe und Tier zuerst ins Bild geholt, um sie
dann zu abstrahieren. Der Künstler weicht mit malerischen Mitteln die Grenzziehung zwischen
Kunst und Leben auf.“

Dr. Sonja Lechner, M.A. (Kuratorin). Textauszüge aus der Einleitung zum Katalog  „Münchner Meisterklasse: Xenia Fumbarev, Andreas Zagler. Positionen der Münchner Kunstakademie. Eine Ausstellungsreihe der Münchner Bank“. 2020.