| Marc Volk | Presse |
Aus der Dunkelheit Einfühlsame Lichtblicke. Marc Volk zeigt "Aus der Dunkelheit" im Kulturhaus Osterfeld Pforzheim. Mehr als zwei Jahre hat der 1967 in Stuttgart geborene Fotograf Marc Volk seine Serie "Aus der Dunkelheit" nicht öffentlich präsentiert. Dass der heute in Berlin lebende Lichtbildner seine Ende der 90er Jahre geschaffene Bildstrecke für eine Ausstellung im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld wieder ans Tageslicht geholt hat, hat sich gelohnt. Eindrucksvoll stellt Volk mit der 20 Einzelbilder umfassenden Schau unter Beweis, dass er als fotografischer Grenzgänger im Spannungsverhältnis zwischen Licht und Dunkelheit ein Meister seines Fachs ist - ein Fotograf der es blendend versteht, durch die Reduktion von Licht, der Dunkelheit Gewicht und Tiefe zu verleihen, die den Betrachter unweigerlich in den Bann zieht. Mit dieser Serie ist Volk aber mehr gelungen, als nur Licht und Schatten in eigener Bildsprache auf Zelluloid zu bannen. Volk hat vielmehr grafisch anmutende Werke geschaffen, die zu einfühlsamen Lichtblicken werden, da alles, was nicht von künstlichen Lichtquellen erleuchtet wird, in tiefer Dunkelheit versinkt, ohne aber beim Betrachter das Gefühl eines optischen Verlustes aufkommen zu lassen. Im Gegenteil: Durch die immer klare und scharfe Abgrenzung von Licht und Dunkelheit gewinnen die lichtdurchfluteten Bildelemente an Prägnanz und geben in zarter Zeichnung ihre auf den ersten Blick oft nicht wahrzunehmenden Geheimnisse preis. Überwiegend urbane Motive hat Volk zwischen Essen und Hongkong, Caracas und Amsterdam innerhalb von zwei Jahren fotografiert. Überraschend dabei: Obwohl zahlreiche der Arbeiten konstruiert und konzipiert anmuten, so sind sie doch "in den meisten Fällen eher zufällig entstanden", wie Volk verrät. Der Blick auf das nächtliche, nur dezent beleuchtete Caracas gerät dabei zu einem ebenso faszinierenden Lichtblick wie die Aufnahme eines Hochhauses in Hongkong, das in Volks Fotografie ob seiner Beleuchtung vom realistischen Wohn- zum grafisch außergewöhnlichen Kunstobjekt mutiert. Ralf Recklies, Pforzheimer Zeitung, Nr. 225, 28. September 2005
Same Time | Same Place Exakte Beobachtungen sind immer nur an einem Ort und einer Zeit möglich. Die Komplexität der Welt ist aber dadurch gekennzeichnet, dass alles gleichzeitig stattfindet und sich somit einer genauen Beobachtung entzieht. In seiner Serie "Same Time | Same Place" arbeitet Volk mit dem Medium Fotografie in der Weise, die Gleichzeitigkeit der Geschehnisse in ein Nebeneinander zu verwandeln. Als Ausgangsmaterial für Ausschnittsvergrößerungen dient ihm ein Übersichtsfoto eines öffentlichen Platzes von einem erhöhten Standpunkt aus. Die einzelnen Vergrößerungen zeigen verschiedene Situationen, die gleichzeitig stattgefunden haben, aber erst durch die Fotografie nebeneinander wahrgenommen werden können. Galerie 14 - 1, Juni 2005
Ränder | Rauschen Verschämte Eruptionen. Dunkelheit als Abstraktum: Wie klingen eigentlich Körper, wenn sie fallen? Wenn sie sich gar weigern, Licht aufzunehmen, wenn sie sich penetrant für "Dunkel" anstatt für "Hell" entscheiden? Und erwächst ein spezifischer Erkenntnisgewinn aus der Betrachtung der sanft gekörnten Bilder, die der in Berlin ansässige Fotograf Marc Volk erschafft? An Mark Rothko, ins Foto übersetzt, erinnern einige seiner Fotos der aktuellen Schau im Museum für Kunst und Gewerbe, dessen Reihe "Forum Fotografie" regelmäßig Nachwuchskünstler vorstellt. Die stetige Entwicklung vom Weiß zum Schwarz zeigt eine der Serien: den unbelichteten Film hat Volk hierfür vergrößert und das Papier jeweils doppelt so lange belichtet wie auf dem vorhergehenden Bild. Meditative Korn- oder Kieselfelder sind so entstanden, die den Betrachter nie in die völlige Finsternis entlassen. Ein Rest von Struktur bleibt immer - kleiner Verweis auf auf den Pointilismus bzw. auf die Tatsache, dass die Welt letztlich aus Atomen besteht. Doch so weit will sich der Fotograf gar nicht ins Philosophische vorwagen. Wohl schätzt der 1967 in Stuttgart geborene Künstler die Systemtheorie und fragt sich, wie viel Welt man braucht, um Assoziationen zu bilden. Was glaubt man zum Beispiel in den belichteten Film-Enden, Emulsionsverletzungen und Klammerungen zu erkennen, die er ins Zentrum rückt? Das Spiel der Farben hat er dabei in Szene gesetzt, jenes sich an den Rändern abspielende, fast verschämte Eruptions-Theater, das normalerweise verborgen bleibt: Unten schwarz, mittig orange, dann immer gelber wird das Farbgetümmel - gern darf man darin eine Landschaft sehen. Selbstverständlich ist das Ganze auch in Türkis zu haben - nur, dass hier das Licht durch eine saubere Linie vom Dunkel getrennt ist. Wo also liegen Beginn und Ende des Lichts? Und wohin ist es geflohen, das Türkis, das sich wie auf einem chinesischen Landschaftsgemälde im prismatischen Weiß verliert. Ist es etwa ins Dunkel geschwunden wie auf jenen Film-Enden, deren Markierungen, bar jeden Kontexts, rein gar nichts besagen? Oder sind solche Fragmente gar einer anderen Dimension entsprungen; sind es Chiffren, die in Wirklichkeit Ungeheures vermitteln, gelänge einem nur die Decodierung? Eine Reise ins Dunkel erlauben diese Bilder, die letztlich mehr verbergen als enthüllen; unklar bleibt, wo sich all dies bewegt im unendlichen Raum. Eine Frage, auf die einige der Volk'schen Bilder eine scheinbar klare Antwort geben: Scheinwerferlicht ist es, das von der Decke herabstrahlt, verschiedene Spektralfarben fallen durch die Perforationslöcher, gleich kann das Konzert der Dunkelheit beginnen. Oder nicht? Einen Kosmos im Kosmos entwickelt der Fotograf hier, dechiffriert und codiert gleich neu, ohne den Betrachter zu bevormunden. Das Material selbst wird so zum Thema, die Präsentation des Ungesehenen, der Prozess des Entwickelns - ja, wessen eigentlich? Des Lichts, allen Anbeginns, letztlich des gesamten Universums? Das wiederum hier im Nano-Format beispielhaft präsentiert wird anhand des angeblich einzig authentischen Mediums - des Films? Ganz und gar einzigartig, das alles - besonders, wenn man bedenkt, dass die analoge Fotografie ein rasant aussterbendes Medium ist. Petra Schellen, taz, Kultur Hamburg, 24. November 2004
Im Dunkeln sieht man heller. Die Jahreszeit ist danach: Man muss sich nach dem gleißenden Sommer allmählich wieder ans Dunkel gewöhnen. Ob die Shedhallen-Betreiber deshalb für ihre Herbst-Ausstellung das Motto "Dunkel" wählten, blieb - nun ja - im Dunkeln. Doch die Arbeiten der 10 beteiligten Künstler erhellen, wie vielfältig, unterhaltsam und produktiv die Auseinandersetzung mit einem so offenen, in viele Richtungen assoziationsstarken Thema sein kann. Und wie notwendig die neue Halle als ein Raum ist, in dem solche Experimente gedeihen können. Planziel erreicht, freute sich Shedhallen-Mitinitiatorin Carola Dewor am Freitag bei der Eröffnung: Drei Ausstellungen pro Jahr hat sich das junge Projekt vorgenommen. Dies ist die dritte im ersten Jahr, und das zahlreiche Vernissagen-Publikum demonstrierte, dass der Großraum beim Tübinger Schlachthof eine echte Bürger-Kunsthalle für zeitgenössische Kunst im Prozess ist. Viele Profi- und engagierte Laien-Künstler haben Hand angelegt, geweißelt, Stellwände gebaut, jetzt wollen sie daran teilhaben, was darin passiert. Das Interesse geht bei den Künstlern weit über die Region hinaus. Unter den von einer Jury ausgewählten Teilnehmern sind Einsender aus Paris und Perugia, Köln, Berlin, Frankfurt und Karlsruhe, aber eben auch aus TÜ/RT, Pfufflingen und Wannweil. "Dunkel" ist zunächst der Gegensatz von hell, und etliche Arbeiten zeihen aus dieser Abhängigkeit ihre Spannung. Von der "produktiven Dunkelheit" bei Rembrandt sprach eingangs der Kunstkritiker Johannes Meinhardt. Er bescheinigte der Kunst eine spezielle Affinität zum Dunkel: Ist Kunst das Bemühen um Sichtbarkeit, so steigere es sich in der Moderne zu der Absicht, "das Heraustreten des Sichtbaren aus dem Dunkeln sichtbar zu machen." Das Dunkel ist zugleich die Grenze des Sehens, wo insbesondere Raum und Körperhaftigkeit aufgehoben werden. Man konnte nur gewiss nicht all die hochkomplexen und schwer zu verstehenden Dinge, die Meinhardt über das Dunkle sagte, sofort in den Arbeiten der Ausstellung wiedererkennen. Das strenge graphische Spiel mit einem schwarzen, Malewitsch-artigen Viereck (Wlodzimierz Szwed) findet sich dort ebenso wie die Kohlezeichnung (Birgit Weber). Holz-Stelen mit schemenhaften Silhouetten von Ulrich Schultheiß beweisen, dass Schwarz nicht gleich Schwarz ist. Mit weichen, schwarzen Bällen (eine Gebärmutter-Versammlung?) huldigt Heike Pahl der dunklen Urmutter Lilith. Selbstverständlich ist Dunkelheit eine Voraussetzung der Foto-Kunst. Bilder in verschiedenen Techniken spielen mit fotographischen Effekten. Konventionell, aber verblüffend: Nacht-Fotografien der Großstadt Caracas von Marc Volk - die Milchstraße, Himmelschaos auf Erden. Oder Studien des Wachseins und Verlöschens: eine Hausfassade in Amsterdam zu unterschiedlichen Nachtstunden. Anders als der aufklärerische Kunsthistoriker thematisieren viele Künstler aber die Nachtseite des Dunkels: das Unheimliche, Düstere, Lebensferne. Wilma Lok, eine der schon arrivierten Teilnehmerinnen, sie lebt in Perugia, stellt auf grau-schwarzen Fahnen, in Batiktechnik, anklagende Fragen: How, Why, Who. Auch das etymologische Lexikon bleibt die Antwort schuldig. Andere denken an den dunklen Wald, wo die Gefahr lauert. In bodennahen Leuchtkästen lässt Ingrid Schütz in einer Art Slide Soap ein schrilles, fliegenpilz-rotes Rotkäppchen den Wolf vermissen, dafür aber knackig rot lackierte Fliegenpilze essen. So hätte es auch gehen können! Die Video-Installationen Schwarz-Bad von Anne Christine Klarmann (Entstehungsort: Kirchentellinsfurter Baggersee) lockt die Zuschauer in eine Dunkelkammer aus schwarzem Filz. Ist das nun einfach ein Mondlicht-Schwimmer, der dort im Lichtkegel planscht, oder etwas Schlimmeres? Ein Verbrechen? War das Wasser das eben rötlich, oder ist es nur Täuschung? Die Kinder jedenfalls wollen schnell wieder hinaus. Um so lieber gehen sie durch Volker Illis genial einfache Installation: Von einem Quadrat mit fünf Metern Kantenlänge hängen dicht an dicht breite, grob geschnittene Papier-Streifen. Ein Papier-Urwald, in dem es von außen nach innen immer dunkler wird. Wer in der Mitte ist, sagt der Künstler, befindet sich "zwischen den Brüsten". Eine Regression, die auch mit anderen Begleit-Vorstellungen Spaß macht. Mascha Aurnhammer aus Tübingen fotografiert Dunkles, wo es Vergänglichkeit bedeutet, Verwesung, gestörte Ordentlichkeit: Schimmel, dunkle Spritzer, Flecken. Ins Dunkel der menschlichen Seele blickt die in Paris lebende Malerin Susanne Hay. Ihre beklemmenden Nah-Studien mit dem Titel "Autismus" zeigen einen in einem Einkaufswagen gefangenen Mann in verquälter, selbst-destruktiver Pose. Welche Art von Dunkel herrscht in der Blindheit? Klaus Schneider unterlegt in seinen "Lichtkästen" gelbe Braille-Schrift-Punkte mit Foto-Negativen von Augenpartien. Die Anordnung wirkt wie ein wissenschaftlicher Versuch über den Tastsinn als Seh-Sinn. Spielerisch tappste Ina Brandmaier in ihrer Vernissagen-Performance dagegen als tollpatschiger, augenloser weißer Wuschelbär durch ein imaginäres deutsches Wohnzimmer, selbstvergnügt nichtssagende Botschaften versendend. Blind vor lauter Gemütlichkeit? Später demonstrierte sie die Mühsal des Fortkommens. Eine Pappkiste schafft mit Riesenkraft minimale Bewegung. Doch der Mensch sitzt im Dunkel des Glückswürfels und hat keine Ahnung, auf welche Seite dieser kippt. Dunkel des Zufalls? Schwäbisches Tagesblatt, 22. September 2003
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