| Sandra Senn | Presse |
|
Ausstellung / Mehr als ein Bilderbogen heilger Bergnatur INFO Schwäbisches Tagblatt, Feuilleton, 22. November 2006
Alpen als Arbeitsraum
und Tummelplatz Klassische Maler und Kartografen Mit Vorteil nimmt man den Weg also gut gestärkt unter die Füsse. Vertreten sind weit über 100 Künstler und Künstlerinnen, darunter Koryphäen der klassischen Alpenmalerei wie Ferdinand Hodler, Johann Heinrich Wüest, Caspar Wolf, Rudolf Koller, Alexandre Calame, Giovanni Giacometti oder Giovanni Segantini.Darauf beschränkt sich die Ausstellung allerdings nicht. Von Beginn weg wird klar, dass ihr ein weit differenzierteres Bild der Alpen zugrunde liegt. Alpen sind - so Bezzola - nicht einfach nur ästhetische Landschaften, Erholungsräume, reine Natur. Sie sind auch Orte, die unterschiedlichste Arten innovativer Arbeiten generieren. Sie beschäftigen Bauern, aber auch Kartografen, Topografen, Ingenieure, Tourismusfachleute Dass diese unterschiedlichen Beschäftigungen ihren Niederschlag auch in der bildenden Kunst finden, wird auf dem Durchgang mit zahlreichen Werken belegt. Zwingend sind längst nicht alle. Dank manch Überraschendem, Hintergründigem, Witzigem, Ironischem bietet die Schau aber auf jeden Fall gute Unterhaltung und hält die Erschöpfung in Grenzen. Wüsten und Katastrophen Bezzola und Hug haben die multimediale Schau nicht chronologisch, sondern thematisch arrangiert. Das hat den Vorteil, dass alte und neue Werke nebeneinander anzutreffen sind. So beginnt das Kapitel «Wüste» mit einer Landschaft von Laurent Guétal von 1886, setzt sich fort in Werken von Hodler und Vallotton und endet mit einem Pigmentprint (2005) von Sandra Senn.Noch enger zusammengerückt sind die Epochen im Kapitel «Katastrophe». Hier hängt die Bleistiftzeichnung «Die Lawine» (1898) von Giovanni Segantini unmittelbar neben den dokumentarischen Fotografien «L'Epreuve des Alpes» (2005/2006) von Nicolas Faure. Das Ex Voto «Errettung aus Bach» (1833) hat hier ebenso Platz wie die ebenso bedrohliche wie witzige «Alpendebakelserie» (1990/91) von Arnulf Rainer.Zu den «Pionieren» gehört der Kartograf Eduard Imhof, der auch künstlerisch tätig gewesen ist. Die Ausstellung zeigt sein berühmtes Bergmodell «Windgällenrelief» (1937-39) und als moderne Ergänzung die Interaktive DVD «Atlas der Schweiz» des Instituts für Kartografie der ETH Zürich. Leben in den Alpen einst und jetzt Über die Kapitel «Pioniere» und «Alpenglühen» gelangt man zu «Einwohnern». Hier hängen unter anderem eindrückliche Porträts von Bergkindern aus dem Bündner Oberland, die der Fotograf Emil Brunner 1943/44 serienmässig angefertigt hat. Bei den «Ingenieuren» darf neben Kollers «Gotthardpost» (1873) auch William Turners Ölgemälde «The Pass of St. Gotthard» (1803/04) nicht fehlen.Besonders viel Platz gönnt die Ausstellung dem letzen Kapitel «Touristen». Amüsant ist hier der Schlusspunkt: Lois Hechenblaikners vergleichende Diaprojektion «ZeitGeister» (2001-2006). Jeweils zwei Dias, eines schwarzweiss, eines farbig, zeigen höchst ironisch das Leben in den Alpen einst und jetzt.So liegt auf der einen Seite ein geschlachtetes Schwein, auf der anderen eine nackte Frau, die massiert wird. Wo ein Bauer eine Wiese wässerte, sprühen heute Schneekanonen. Oder ein Bergsturz von einst mutiert in Hechenblaikners böser Arbeit zu einer Blechlawine aus geparkten Autos. Kulturkritische Quintessenz: Einst waren die Alpen von arbeitenden Bauern bevölkert, heute sind sie Tummelplatz der Dekadenz.(sda/fisp) Galerie
Klara Wallner: Henrieke Ribbe
Gletscher im Kinderspielplatz Ein silbriger Gebirgszug wird zur Müllhalde, der Polargletscher nebenan entpuppt sich als Betonfelsen auf einem Spielplatz. Das Centre pour l'image contemporaine Saint-Gervais in Genf stellt derzeit die jüngste Fotoserie der Zürcher Künstlerin Sandra Senn (geb. 1973) aus, in der die Dinge nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Das Zusammenbringen der natürlich sachlichen oder poetischen Erscheinung urbaner Motive mit Künstlichkeit, darin sieht Senn ihre eigentliche Aufgabe. Fürs Betrachterauge ergeben die Motive letzlich ein stimmiges, perfektes Bild und keine Montage. Die Fotografien dienen ihr als Rohmaterial, die Abzüge werden nach der Bearbeitung am Computer zu grossen Tableaus fertig gestellt. Bildarchive der Industriekultur, eine Thematik, wie man sie aus der Sachfotografie von Bernd & Hilla Becher kennt, sind Senns Abfolgen nicht. Ihr geht es nicht um typologische Reihen, vor denen man die dargestellten Objekte analytisch vergleicht. Die "Compositeurin", wie sich Senn selbst nennt, bricht die grösstmögliche Objektivität im Bild auf und kippt auf subtile Weise in eine rein ästhetische Lesart. So wird aus den riesigen Reisighaufen fürs Sechseläuten in der Graslandschaft beim genauen Hinsehen eine Forschungsreise durch die winzige Welt der Zweige. Neue Zürcher Zeitung, Feuilleton, Nr. 230, 4./5. Oktober 2003
Sandra Senn - Photographies du 4 septembre au 19 octobre Le Centre pour l'image contemporaine a
le plaisir de présenter une série de photographies récentes
de la jeune artiste zurichoise Sandra Senn. A partir de sa base de donnée d'images, l'artiste opère un travail de composition propre à générer un sentiment d'étrangeté. Se jouant des échelles, juxtaposant des perspectives légèrement décalées, elle faconne un univers de contes de fées modernes: de fines brindilles de bois se transforment en un amas de bois imposant, de jeunes pousses d'herbes vert pomme apparaissent comme des roseaux étranges et les deux tubes d'aération qui se dressent sur un parterre de fleurs des champs prennent des allures de tours monumentales. Ces images évoquent des décors de jeux vidéo ou des maquettes utlilisées pour les effets spéciaux du cinéma. Elles sont tout aussi proches du monde des jouets d'enfant ou des dessins animés. L'atmosphère irrélle des photographies de Sandra Senn est accentuée par le cadrage serré des images. Elles sont nettoyés de tout élément parasite, une composition parfaitement maîtrisée étant l'une des caractéristiques du travail de l'artiste. Grâce à une réorganisation subtile de la réalité, sans rajout artificiel, Sandra Senn parvient à créer un imaginaire qui lui est propre: plein d'humour, fantastique et séducteur. Ainsi, ses images oscillent constamment entre une représentation du monde réel et une reconstruction d'un idéal de celui-ci. Centre pour l'image contemporaine, Saint-Gervais, Genève, September 2003 |