| Playing Fields |
In Playing Fields thematisiert Jens Liebchen das Great Game unserer Zeit in den ehemaligen Sowjetrepubliken rund um das Kaspische Meer – das Gebiet mit den weltgrößten noch nicht erschlossenen Reserven von Öl und Gas. Reist man in diese Region, wie Liebchen es getan hat, so wird man jedoch kaum etwas von der verzweifelten Suche sehen. Er könnte Bohrtürme fotografiert haben oder einige der Umweltschäden, die die Ölindustrie verursacht, aber das wäre eine gar zu direkte Aussage, stattdessen hat er Bilder mit subtilen Anspielungen geschaffen. Die Politik kreist am Kaspischen Meer um Energie. Und so kreist auch eines der metaphorischen Leitmotive, die Playing Fields durchdringen, um die primären Quellen der natürlichen Energie und damit um den Ausgangspunkt der Fotografie – das Sonnenlicht. Liebchen verwendet Sonnenlicht und Schatten, um den Unterschied zwischen Licht (Energie) und Schatten (Mangel an Energie) zu veranschaulichen und so den Hauptgrund dafür ins Bild zu setzen, warum die Supermächte dort am Kaspischen Meer präsent sind. Ein rechteckiger Schatten zum Beispiel sieht aus wie eine in die Erde eingelassene Falltür, die in tiefere Regionen führt, wo das Öl und Gas im Zentrum des „Great Game“ angesiedelt sind. Unter der abstrakten Ruhe der Bilder liegt in Playing Fields ganz eindeutig ein Gefühl des Unheilvollen. Manchmal kann es für einen Fotografen anregend sein das Unsichtbare zu fotografieren. Hier jedoch ist das Unsichtbare eine Kraft, ein greifbares, feindseliges Wesen. Alles erscheint friedvoll und irdisch, aber die unheilvolle Gegenwart auf die Jens Liebchens beredte Fotografien anspielen, ist eindeutig auch eine unheilvolle Zukunft. Gerry
Badger |