Claudio Hils
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Dream City

15. Internationales Bodenseefestival, idee europa Programm, Mai/Juni 2003

Dream City
Ein Foto-Essay von Claudio Hils

Die Zukunft – auch und gerade – der europäischen Städte mit ihren kompakten historischen Zentren wird zum Thema, wenn Claudio Hils in seinem Foto-Essay die wachsenden Mega-Städte in Asien, Nord- und Lateinamerika porträtiert: die pittoresk inszenierten Kulissen der Innenstädte mit ihren Einkaufsmeilen einerseits, die ausufernden, austauschbaren, banalen und trostlosen Ränder mit ihren Brachflächen und Müllhalden andererseits. Die Kamera zeigt die Nischen menschlichen Überlebens, die Grenzen zwischen Traumwelt und Realität. Im Blick des Fotografen fügt sich die Unübersichtlichkeit zur ästhetischen Ordnung, findet auch das Unauffällige seinen Platz. Zu dieser Bodenseefestival-Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.

Moderne Kunst in der EU-Region Bodensee & Oberschwaben, April/Mai/Juni 2003
„Dream City“
Ein Foto-Essay von Claudio Hils

Die Zukunft auch der europäischen Städte mit ihren kompakten historischen Zentren steht zur Diskussion, wenn Claudio Hils in seinem Foto-Essay die wachsenden Mega-Städte in Asien, Nord- und Lateinamerika porträtiert: die pittoresk inszenierten Kulissen der Innenstädte mit ihren Einkaufs-Malls einerseits, die ausufernden, austauschbaren, banalen und trostlosen Ränder mit ihren Brachflächen und Müllhalden andererseits. Die Kamera zeigt die Nischen menschlichen Überlebens, die Grenzen zwischen Traumwelt und Realität. Im Blick des Fotografen fügt sich die Unübersichtlichkeit zu einer Art ästhetischen Ordnung, findet das Unauffällige zur Bildwürdigkeit.

Birgit Kölgen
Schwäbische Zeitung 22. Mai 2003
Lebenszeichen im Beton

Meersburg – Das Städtle ist bezaubernd schön. Auf dem Schlossplatz von Meersburg sitzen die Gäste bei einem Eis in der Sonne, die Barockfassaden leuchten, die Glyzinien blühen. Im Roten Haus an der Ecke wird eine Gegenwelt dokumentiert. Claudio Hils zeigt Fotografien aus Molochstädten. Sarkastischer Titel: „Dream City“.
Der Mann misstraut der Idylle. Claudio Hils, 1962 in Mengen geboren und Dozent an der Schule für Gestaltung im schmucken Ravensburg, stört gern das baden-württembergische Wohlbehagen. Als Kurator des Ravensburger Projekt „Stadtfotograf“ verteilt er Stipendien an Kollegen, die nicht nach oberschwäbischen Postkartenansichten suchen, sondern unspektakuläre Realitäten zeigen – Menschen am Rande, Risse im Beton. Nüchtern wie die Ergebnisse des heimischen Projekts sind auch seine eigenen Arbeiten, entstanden auf Reisen in die ausufernden Städte Asiens und des amerikanischen Kontinents.
Ob die Bilder aus Tokio oder Bangkok, Los Angeles oder Sao Paulo stammen, kann man in der Galerie des Bodenseekreises nur raten. Der Fotograf verrät bewusst keine Fakten. Seine Farbaufnahmen im Magazinformat erzählen ohne Worte, dass sich die Umstände in den wuchernden Metropolen gleichen, dass die Gegensätze wachsen zwischen aufgesetztem Luxus und absoluter Armseligkeit. Wie eine Fliege über einem Misthaufen kreist ein Hubschrauber über einer Ansammlung verrotteter Hochhäuser. Wie Ameisen hausen die Menschen hinter den einstürzenden Billigfassaden der elenden Viertel – wobei man auch in Paris oder Rom ähnliche Zustände finden könnte. Ein paar Wäschestücke an Leinen vor den Löchern, die als Fenster dienen, werden zu Lebenszeichen.
Ohne Anklage aus der Distanz, zeigt Hils die desolaten Verhältnisse. Da sieht man in einiger Entfernung ein paar Jugendliche mit coolen Baseballkappen, die ein bisschen quatschen und aus der Flasche trinken, wie es auch die Kids in Ravensburg tun. Aber auf Hils´ Foto hocken sie auf einer Müllhalde irgendwo im Staub und kramen dort wahrscheinlich immer wieder nach brauchbaren Dingen. Im Schatten von gestapeltem Abfall liegt ein ausgemergelter Hund, schlafend oder tot. Hils lässt solche Fragen in seinem „Foto-Essay“ offen.
Er macht deutlich, dass es hier nicht etwa um empörende Ausnahmen geht, sondern um Alltagssituationen, deren Tragik von den Betroffenen oft gar nicht mehr empfunden wird. Sie haben sich arrangiert, die beiden ölverschmierten asiatischen Männer, die an irgendwelchem Schrott basteln, oder die magre weiße Mutter, die mit zwei Kindern in der Tür eines Bretterverschlags kauert. Hils führt sie mit der gleichen Sachlichkeit vor wie smarte japanische Manager in ihren einheitlichen Burberry-Mänteln, junge Blondinen mit Plastikdrinks in irgendeiner „Cool Zone“ mit Chauffeur, der an einer glitzernden Vergnügungsmeile neben einer Limousine steht und raucht. Vielleicht ist es auch ein Barmann, der Pause macht. Hils lässt mit seinen ruhigen Bildern vielen Vorstellungen Raum.
Dabei gelingt es ihm, im Chaos der Stadtmotive so etwas wie Ordnung zu schaffen. Mit einem klaren Blick für grafische Effekte präsentiert er die Linien von Straßenzügen und Reklamewänden, die verschränkte Struktur einer Stahlkonstruktion oder die Fläche eines Gitters über einem Betonrelief hinter dem Schatten einer Schräge. Ästhetik der Hässlichkeit – manchmal wird daraus eine Art von Schönheit, wenn zum Beispiel die Schemen ferner Wolkenkratzer zwischen dürren Bäumen am dunstigen Horizont erscheinen. Tief im strengen Fotografen Claudio Hils steckt eben doch ein schwäbischer Romantiker.


Christel Voith
Schwäbische Zeitung 13. Mai 2003
Realität und virtuelles Leben

Meersburg – „Dream City“ nennt Claudio Hils aus Mengen seinen Foto-Essay über Metropolen aus aller Welt. Die Fotos dazu – sehr persönlich gefärbte Ausschnitte aus krebsartig wuchernden Mega-Citys, die weit eher den „Alptraum City“ festhalten – zeigt die Galerie Bodenseekreis im Roten Haus in Meersburg bis 6. Juli.
Dream City – gibt es sie heute, gab es sie je? Claudio Hils, Fotograf und Kommunikations-Designer, Dozent an der Schule für Gestaltung in Ravensburg, interessiert sich von jeher für urbane Räume, urbane Landschaften. In seinem Foto-Essay vermeidet er bewusst die „Wahrzeichen“ der porträtierten Städte und zeigt anhand der Gemeinsamkeit Ihrer Probleme ihre heutige Austauschbarkeit. Ohne Bildtexte, ohne Zuordnung zu ihrem Entstehungsort schildert er Ausschnitte aus dem Alltag in Großstädten verschiedener Kontinente, er zeigt Menschen in einer Straßenschlucht in Sao Paulo, lenkt den Blick auf monotone Wohnblocks und schäbigste Primitivbehausungen – ob in Tokio, Bangkok, Los Angeles oder Las Vegas.
Claudio Hils zeigt Straßenszenen, Wohnblock-Veteranen, Highway-Labyrinthe, Industrieanlagen und Müllhalden. Er beobachtet Menschen – eilig, hastend, ausgegrenzt durch Mauern, Gitter, Glasscheiben – und er sucht nach Überlebens-Nischen. In einem primitiven Bretterverschlag findet Hils eine Mutter – hinter dem nackten Fuß, den sie in die Öffnung stellt, lugen zwei Kindergesichter hervor. Anderswo präsentiert ein Latino stolz, wie weit er es gebracht hat; er und seine beiden Söhne sitzen im weißen Hemd mit Krawatte auf der Bank, die Frau bleibt etwas abseits, ihr blaues Auge zeugt von Gewalt.
Realität und virtuelles Leben vermischen sich, wenn Reklame-Gesichter von der Absperrung strahlen, hinter der das Chaos beginnt, wenn ein blauer Himmel mit weißen Wölkchen den Bauzaun ziert, neben dem ein Maschendraht den Blick auf verdorrte Öde freigibt. Anderswo hackt ein Mann mit seinem Amboss auf dem Trottoir, das geringste Schrotteil wird repariert.
Die Globalisierung nimmt zu und damit auch die Ähnlichkeit der Probleme in einer Zeit rasant zunehmender Verstädterung. Die Stadt als überschaubares, erfahrbares Zuhause, als Heimat, verbunden mit Geborgenheit, ist in vielen Teilen der Welt dem Chaos gewichen. Ungestümes Wachstum nach der Aufgabe alter Strukturen – das fordert ein Umdenken, schreit nach neuen Ideen. Die Bildausschnitte zeigen den Nährboden sozialer Probleme, die latente Gefahr, die von solchen Brennpunkten ausgeht. „Professionelle Bilder von literarischer Qualität und sperriger Poesie“ nannte Laudator Michael Jostmeier, Professor für Fotografie an der Fachhochschule Nürnberg, die Fotos, die ihre eigene Ästhetik ausstrahlen.
Der von Max Stemshorn herausgegebene Begleitkatalog mit Foto-Essay von Claudio Hils und Texten verschiedener Autoren, die sich mit Traum und Trauma des Städtebaus beschäftigen, vertieft die Fragen der Ausstellung.

Susanne Boecker
Kölner Stadt-Anzeiger 9./10. November 2002
Der andere Blick
Claudio Hils stellt „Dream City“ bei Sabine Schmidt vor

Der Künstler präsentiert Stadtansichten, die nicht nachhaltig zum Besuch der fotografierten Metropolen einladen.
Der Tourist fotografiert in fremden Städten am liebsten „Wahrzeigen“. An zweiter Stelle rangieren „typische“ Flecken – das enge Straßengewirr „mittelalterlicher Altstädte“ oder auch die bunte Neonreklame moderner Vergnügungsviertel. Damit dann er in der Heimat beweisen: Ich war woanders!
Claudio Hils hat von seinen Besuchen verschiedener „Megacities“ andere Bilder mitgebracht. Anstatt seine Visiten in Sao Paulo, Los Angeles, Bangkok, Tokio oder Las Vegas mit weitern Varianten klassischer Bildklischees zu dokumentieren, konfrontiert er uns mit ungewohnten Ansichten der Städte: Fassaden gesichtsloser Wohnblocks, Müllhalden, dichtes Antennengewirr, glitzernde Bürotürme, künstliche Naturen, armselige Hütten, bunt beleuchtete Boulevards, verschlungene Autotrassen.
„Dream City“ nennt er diese nicht gerade zum Träumen einladenden Stadtansichten. Denn die nach „Motivgruppen“ fast austauschbaren Bilder beweisen vor allem eins: Der Traum von der Stadt als einem individuellen und identitätsstiftenden urbanen Gebilde scheint ausgeträumt. Vorbei die Zeiten, als ein Camillo Sitte über den „Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ sinnierte, vorbei auch die Zeiten, als ein Le Corbusier seine „Idealstadt-Konzeptionen“ skizzierte. Im Zuge der rasanten Stadtentwicklungen gerät das planerische Zusammenspiel von Ästhetik, Technik und Politik zunehmend ins Hintertreffen. Denn während Städteplaner und Politiker noch über Konzepten brüten, das Für und Wider von Bebauungsplänen diskutieren mögen, geben die Städte dem wirtschaftlichen Druck nach und wachsen einfach weiter. Weiten sich zu Mega-Agglomerationen, deren Struktur und äußeres Erscheinungsbild vor allem von einem Faktor bestimmt werden: Geld. Da wo keins ist, sieht es auch so aus, da, wo welches ist oder wo welches gemacht wird, sieht man es ebenso.
Claudio Hils hat das Ausgefranste, Monströse, Kitschige, Heruntergekommene, den billigen Kulissenzauber, die Ödnis und die Anonymität dieser modernen „Dream Cities“ mit verwirrender Brillanz fixiert. Gleichwohl erzählt sein Foto-Essay nicht das Märchen von dem schönen Leben in den großen Städten der Welt, sondern konfrontiert uns mit der globalen Trostlosigkeit moderner Urbanität.


Sebastian Körber
Zeitschrift für Kulturaustausch März 2002
Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, „wer die Welt verstehen will, muss in die Stadt gehen“, könnte das Leitmotiv dieses Hefts heißen. Oder: „Die Welt wird Stadt“. Lebte Anfang des 20. Jahrhunderts gerade einmal jeder zehnte Erdbewohner in einer Groß- oder Kleinstadt, so prognostiziert die UNO bereits für das Jahr 2005, dass mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten zu Hause sein wird. Und ein Ende des Wachstums ist längst nicht in Sicht. Allein auf der Südhalbkugel wird sich die urbane Bevölkerung in den kommenden 25 Jahren noch einmal verdoppeln. Mit welchen Folgen? Erleben wir in den Städten, wie Oswald Spengler düster voraussagte, den Niedergang der Zivilisation, die Erstarrung des menschlichen Lebens? Anna Tibaijuka, die Exekutivdirektorin der UN-Stadtorganisation Habitat, ist sich sicher, dass die urbane Revolution nicht gestoppt werden kann. Obwohl der 11. September 2001 die Verwundbarkeit der Stadt auf schreckliche Weise vor Augen geführt habe, werde sich das menschliche Siedlungsmuster nicht ändern. „Nur wenn wir dieser Tatsache ins Auge schauen, können wir das bisher unkontrollierte Wachstum lenken“, sagt sie im Interview mit der Zeitschrift für Kulturaustausch. Trotz der bekannten Schattenseiten – Kriminalität, Ausgrenzung, Elend – sieht sie die Megastädte der Dritten Welt eher als Wachstumspole denn als erbarmungslose Moloche. Auch die Geographin Ilse Helbrecht glaubt an die Erneuerungskraft der Metropolen. Die Stadt der Zukunft nehme unterschiedlichste Lebensarten in sich auf und liefere so etwas wie die „Gebrauchsanweisung zur Organisation menschlichen Zusammenlebens“.
Wenn die Stadt die Probleme der Welt in sich aufsaugt, birgt dies natürlich Sprengstoff. Die Rezepte, wie die einzelnen Metropolen damit umgehen, sind sehr unterschiedlich. Wir haben daher für den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe Autoren aus 12 Städten gebeten, über ein zentrales Thema ihrer Metropole zu berichten. So erzählt der griechische Literaturkritiker Demosthenes Kourtovik, wie die hektischen Bemühungen der Athener Stadtplaner, der Wiege Europas anlässlich der Olympischen Spiele 2004 ein modernes Gesicht zu geben, an den historischen Gegebenheiten Athens vorbeilaufen. Der schwedische Schriftsteller Sven Lager berichtet vom Leben der „Expats“ in Bangkok, einer Stadt, die mit dem Stempel des Sextourismus leben muss. Der Historiker Karl Schlögel zeigt Parallelen zwischen Berlin und Moskau auf: zwei Städte, die durch die Wucht der historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts aus der allgemeinen Bahn der Stadtentwicklung herausgeschleudert wurden. Für lange Zeit ihrer Rolle als innovative Zentren beraubt, versuchen sie nun, in Rekordzeit den Rückstand aufzuholen. Wir erfahren, wie Brasilia, die Beton gewordene Utopie, an den starren Regeln ihres Architektenplans leidet und als teures Pflaster inmitten von Armut ein Inseldasein führt. Wir entdecken Ähnlichkeiten zwischen Dubai und Shanghai, die sich beide mit gigantischen Prestigeobjekten in die Riege der Weltstädte katapultieren wollen. Und wir erfahren von dem Publizisten Reinhard Hesse, mit welcher Gelassenheit die „Mutter der Welt“, Kairo, im Laufe der Jahrhunderte Kulturen unterschiedlichster Provenienz in sich aufgenommen hat. Wer die aufgeregten Meinungsartikel der ägyptischen Presse liest, könne zwar den Eindruck gewinnen, das Land rüste sich für einen Krieg, aber wer beim Bäcker sein Fladenbrot kauft und die Gespräche der Gemüsehändler verfolgt, wisse, dass die Ägypter nicht mitziehen würden. „Auch den Islamisten ist es nicht gelungen, Kairo ihren Stempel aufzudrücken“, folgert Hesse. Bei der Vorstellung der Städte haben wir bewusst eine alphabetische Reihenfolge gewählt, um ihre Singularität hervorzuheben und der Versuchung zu widerstehen, Abstufungen nach Bedeutung vorzunehmen.
An dieser Stelle sei ein Wort in eigener Sache gestattet. Die Mitarbeiter der Zeitschrift für Kulturaustausch nehmen Abschied von Dr. Nikolaus Klein, dem langjährigen Chefredakteur. Er kam 1980 nach zehn Jahren als Deutsch-Lektor in Kalkutta und Madras und weitern zehn Jahren als Generalsekretär der Deutsch-Indischen Gesellschaft in Stuttgart zum ifa. 1982 übernahm er die Redaktion der Zeitschrift für Kulturaustausch, die er bist 1994 leitete. Auch im Ruhestand stellte er sich noch lange bis zum Umzug der Redaktion nach Berlin vor zwei Jahren als Lektor in den Dienst der Zeitschrift und stärkte der Redaktion mit seiner Sorgfalt und Gelassenheit den Rücken. Nikolaus Klein ist am 11. Juli 2002 gestorben.


Zeitschrift für Kulturaustausch März 2002
Urbane Welten – Sie Stadt als Mikrokosmos

Vielfalt auf engstem Raum: Metropolen sind Bühnen der Eliten, Arbeitsplatz und Zufluchtsort der Marginalisierten sowie geistige Heimat der Künste. Die sind Generatoren moderner Lebens-, Denk-, Kunst- und Konsumstile. 50 Prozent der Menschheit wird in naher Zukunft in Städten leben. Nicht nur in Shanghai, Los Angeles, Sao Paulo oder Berlin versprechen Metropolen Fortschritt und Fortkommen, Freiheiten und Erfolg. Zugleich ist ihnen Scheitern, Elend, Einsamkeit und Zerstörung eingeschrieben. Von diesen Kontrasten erzählen die Bilder dieses Thementeils, in denen der Fotograf Claudio Hils dem Glanz der urbanen Welten das Elend ihrer Slums gegenüberstellt.


Martina Sutter
Erlanger Nachrichten 8. März 2002
Albtraum vom wuchernden Moloch Großstadt
Fotograf Claudio Hils zeigt in der Kleinen Galerie einen Essay mit den Metropolen Asiens und Amerikas – Die Kehrseite der „Dream City“

Im Rahmen der Ausstellung „Dream City – Zur Zukunft der Stadträume“ zeigt die Städtische Galerie Erlangen einen „Foto-Essay von Claudio Hils – Sao Paulo, Tokio, Bangkok, Los Angeles und zurück“. Der Blick des Fotografen richtet sich dabei nicht auf die Zentren mit ihren glänzenden, hoch aufstrebenden Fassaden, sondern er wendet sich dorthin, wo der Moloch Großstadt in offene Land hinein wuchert, wo Armut und Verelendung den Urbanisierungsprozess begleiten, kurz, wo aus dem Traum der Stadt ein Albtraum wird.
Seit rund fünf Jahren recherchiert der 1962 geborene Fotograf Claudio Hils in den amerikanischen und asiatischen Metropolen. Er hat die Stadträume und die sich darin bewegenden Menschen in Momentaufnahmen festgehalten. Seine Bilder der Alltäglichkeit zeigen Straßenschluchten der Vorstädte, Müllhalden, Baustellen, Industriebrachen, aber auch Parks und Grünanlagen.
Die Farbfotografien thematisieren dabei, wie es Manfred Schmalriede im begleitenden Katalog beschreibt, durch All-over „das Grenzenlose, nicht mehr von einem Punkt Überschaubare, kurz die Unübersichtlichkeit“ Bilder mit klaren Strukturen entstanden, die sich der Schnelligkeit des städtischen Lebens entgegenstellen. Lichter, Farben und Straßenlärm sind eingefroren.
Prinzip der Langsamkeit
Auch in seinen Video- und CD-Collagen orientiert sich der renommierte Fotograf an diesem Prinzip der Langsamkeit. Die rhythmischen Bewegungsmuster der Menschenmassen und Verkehrsströme werden durch lange, streng komponierte Einstellungen eingefangen. Die Motorengeräusche des allgegenwärtigen Verkehrs untermalen die Bildsequenzen. Claudio Hils, der in Essen Visuelle Kommunikation studiert hat und seit 1993 als Kommunikationsdesigner und Freier Fotograf in Essen und Ravensburg lebt, versteht sich als Chronist, der die unkontrollierten urbanen Entwicklungen der Megastädte ohne Ursachenforschung, abe4 auch ohne Lösungsmöglichkeiten dokumentiert.
Sein Blick auf die erwähnten außereuropäischen Metropolen, wo es die intakte Stadtstruktur nicht mehr gibt, bietet Raum für Reflexionen über mögliche urbane Entwicklungen in Europa. Denn auch hier besteht die Gefahr, dass durch rapides, ausschließlich ökonomisch orientiertes Wachstum jegliche kulturell Identität verloren geht, so dass sich auch hier Agglomerationen von gesichtslosen Architekturen ausbreiten.
Dass auch eine relativ kleine Stadt, wie Erlangen vor solchen Tendenzen nicht vollkommen geschützt ist, zeigen die jüngsten bauliche Entwicklungen. An einem der wichtigsten zentralen Plätze der Erlanger Planstadt, dem Hugenottenplatz, soll ein Gebäude errichtet werden, das in seiner Beliebigkeit weder die kulturelle Tradition des Ortes berücksichtigt, noch durch eine innovative und markante Formensprache die Bedeutsamkeit des Platzes betont.

Reinhard Kalb
Nürnberger Zeitung 6. März 2002
„Dream City“ in Erlangen: Eine Ausstellung zur Zukunft des Städtebaus
Turmhohe (T)räume
Foto-Essays von Claudio Hils ergänzen die Schau

„Nein, ich bin kein Tourist – ich wohne hier!“ Also sprach der Autoaufkleber eines genervten Einheimischen. Was wohl die vielen Tausend Besucher von Rothenburg ob der Tauber darüber gedacht haben?
Merkwürdig: Da galt jene turm- und zinnenbewehte Freie Reichsstadt einmal als ernsthafter Konkurrent zu Nürnberg. Dann fiel sie wie Nürnberg in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie nicht einmal die Industrialisierung reißen konnte. Heute gilt die Stadt über der Tauber zwar als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte, gleichzeitig aber auch als ein Denkmal seiner selbst. Vor einer „Rothenburgisierung“ wird gewarnt, wenn Altstadtfreunde ihre Bedenken gegen moderne Bauten vorbringen. Umgekehrt prangt der Aufkleber nicht umsonst auf einem Auto. Die „autogerechte Stadt“, die in den sechziger Jahren propagiert wurde, verhinderte aber (siehe Stuttgart, siehe München) ebenso das Leben in der Stadt.

Himmlisches Jerusalem
Was also sind die Kriterien, die eine Stadt zur „Stadt“ machen und wie geht der Städtebau damit um? Die Ausstellung „Dream City“ in Erlangen geht dem nach. Wer von „organisch gewachsenen“ Städten redet, verkennt, dass fast alle mittelalterlichen Städte sich den topographischen Gegebenheiten anpassen mussten und überdies militärischen Zwängen unterlagen. Eine Stadt, wollt die prosperieren, musste an einem Fluss, einer Handelsstraße liegen, noch besser an einer Kreuzung. Um den Wohlstand zu sichern, bedurfte es einer Stadtmauer: So kurz wie möglich, so viel Platz wie nötig. Dies bestimmte die dichte Bebauung, die bald in die Höhe führte und gar als Vorwegnahme des himmlischen Jerusalems interpretiert wurde.
Gedanken, wie eine ideale Stadt auszusehen habe, wälzten Architekten erst zu Zeiten der Renaissance. Ideal waren kreis- oder karreeförmige Grundrisse. Unverzichtbar war der Mittelpunkt oder Fluchtpunkt, auf den sich die gesamte Anlage zu richten hatte. Und dies war ausnahmslos ein Ort der weltlichen oder geistlichen Macht. Planmäßig angelegte Städte wie Mannheim, Karlsruhe und Erlangen erweisen sich aus der Vogelperspektive als reizvolle Systeme. Gerne beugt der Besucher sich über die Holzmodelle, bückt sich, um in die Fluchtlinien der Magistralen zu spähen. Wer aber einmal längere Zeit in einer dieser Städte verbracht hat, weiß um die Langeweile der Regelmäßigkeit.
Ein Platz muss also her. Wer die historischen Veduten von Florenz und Mailand betrachtet, wird feststellen, dass die Stadtreklame von damals anders als heutige Selbstdarstellungen Bettler, Krüppel und Asoziale nicht ausklammert. Besonders schmerzhaft wird er angesichts historischer Aufnahmen von Erlangens Plätzen feststellen, wie das Diktat des Individualverkehrs die Plätze ihrer Wohnlichkeit beraubt hat.
Je näher die Gegenwart rückt, umso mehr spitzt die Ausstellung den Gegensatz zu zwischen dem reinen Wohnen und dem Kommunizieren außerhalb der eigenen Wände, sowie als Verschärfung des Gegensatzes die Entzerrung der Wohn- und Arbeitssphäre.
Erstaunlich zu sehen, wie weit, bis ins 20. Jahrhundert hinein, die Auffassungen der geplanten Stadt nach Renaissance-Muster vorherrschend blieb und der Entwicklung der Industrialisierung hinterherhinkte. Erstaunlich aber auch, mit welcher Rücksichtslosigkeit die kurze Blüte des Expressionismus ihre floralen bzw. kristallinen Baupläne gegen bestehende Strukturen einsetzte. Doch erst die Flächenbombardements des Zweiten Weltkriegs ermöglichten den Städteplanern den Freiraum zur Neugestaltung unter dem Postulat des reinen Funktionalismus. Eine Neugestaltung, die nur allzu bald ihr Scheitern dokumentierte, indem sie die Bedürfnisse der Menschen auf ein ästhetisches Minimum reduzierte. Der Konflikt zwischen Massenbehausung, Individualverkehr und Freizeitraum scheint heute unlösbarer den je.
Wie allerdings planlos wachsende, sprich chaotisch wuchernde Städte aussehen, das zeigt Claudio Hils in seinem Foto-Essay „Sao Paulo, Tokio, Bangkok, Los Angeles und zurück“. Hils nimmt in seinen Fotografien den Menschen zum Maßstab. Das heißt, dass der Mensch von den umgebenden überdimensionalen Gebäuden erdrückt wird. Gerne verwendet Hils auch Perspektiven, in denen Gitter, Zäune und Vorhänge den Blick auf das Dahinterliegende verstellen. Das wirkt reichlich plakativ. Andererseits: Werfen Sie doch einmal einen Blick aus Ihrem Fenster. Steht nicht irgendwas in Ihrem Blickfeld, das Sie maßlos ärgert?


Rudolf Schwarzenbach
Erlanger Nachrichten/ Nordbayerische Zeitung 22. Februar 2002
Vitale Zentren städtischen Lebens
Forderung nach nachhaltiger Stadtentwicklung – Beklemmender Blick auf wuchernde Metropolen

Plätze sind die Visitenkarte einer Stadt. Was wäre Siena ohne den Campo oder Venedig ohne den Markusplatz? Und wer an Erlangen denkt, hat sicherlich auch den schönen Schloss- und Marktplatz in seinen klaren Strukturen im Blick. Bis Sonntag, 10. März, zeigt die Städtische Galerie die vom Stadthaus Ulm konzipierte Ausstellung „Dream City – Zur Zukunft der Stadtträume“. Diese eindrucksvolle Ausstellung hat Karl-Manfred Fischer vom städtischen Kulturamt in sein Projekt „Stadt und Zukunft“ anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums Erlangens eingebaut.
Die Ausstellung wurde neu geordnet und mit lokalen Beispielen vor allem aus Erlangen ergänzt. Aus der grafischen Sammlung der Universitätsbibliothek stammen alte Pläne und Stiche von Stadtansichten, die Stadträume aus Wien, Frankfurt, Berlin, München, Nürnberg, aber auch aus Rom, Florenz und Venedig zeigen. Aus dem Stadtarchiv kommen Stiche und alte Fotografien von Erlanger Plätzen.
Frühere Städtebauer wussten um die Wirkung und Bedeutung der Freiräume für das Leben in einer Stadt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren Marktplätze die zentralen Orte städtischen Lebens.
Zu allen Zeiten gab es Idealvorstellungen, wie eine Stadt, ihre Strukturen, ihre Bauten und Freiräume beschaffen sein sollten. Diese Vorstellungen unterlagen im Laufe der Zeit, vom feudal strukturierten Mittelalter bis zur industriellen Revolution und zur Mediengesellschaft unserer Tage, erheblichen Veränderungen. Im Barock erfuhren die geometrisch-rationalen Stadtstrukturen eine ideelle und räumliche Ausrichtung auf den absolutistischen Fürsten.
Die Ausstellung zeigt dies eindrucksvoll mit der Stadtanlage von Karlsruhe, deren Radialstruktur vom Mittelturm des Schlosses ausgeht. Ob in der Renaissance, im Barock oder im 19. Jahrhundert – in der Regel orientierten sich die Gebäude am Verlauf der Gassen und definierten mit ihren Fassaden den Straßenraum.
Auch die Auflösung kompakter Stadtstrukturen im 20. Jahrhundert, die Shopping- und Erlebniscenter auf der grünen Wiese, und die Nachbildung historischer Stadtbilder in Freizeitparks („Disneyland“) haben letztlich dem Charme historischer Innenstädte nicht wesentlich schaden können. Max Stemshorn, Ausstellungskurator am Stadthaus Ulm, kommt in seinem Katalog-Beitrag zu einer optimistischen Schlussbetrachtung: „Vielleicht ist die europäische Stadt sogar Modell, das noch Zukunft hat und die weltweiten Verstädterungsprozesse befruchten Kann: die kompakte Stadt als Leitbild hinsichtlich des Flächen- und Energieverbrauchs ... und öffentliche Räume, in der sich eine zunehmend in unterschiedlichen Lebensstile ausdifferenzierende Gesellschaft noch begegnet ... Um dies zu erreiche, bedarf es einer Stadtplanung, die sich nicht als Verwaltung gebärdet, sondern als aktive Kraft, unbeirrt vom tagespolitischen Wechselspiel, eine nachhaltige Stadtentwicklung betreibt.“
Mittelpunkt des lokalen Teil der Ausstellung sind die Plätze der barocken Planstadt Erlangen und ihre Veränderungen, die sie im Laufe der Zeit erfahren haben. Besonders positiv werden die Entwicklungen des Schloss- und Marktplatzes („anziehender Freiraum“), des Neustädter Kirchenplatzes („Platzjuwel“) und der Altstädter Kirchenplatz („Wohnzimmer unter freiem Himmel“) gewürdigt. Problematischer dagegen ist die Sicht auf den Theaterplatz („kein Platz in der ersten Reihe“), auf Rathaus- und Bahnhofsplatz. Auch der Martin-Luther-Platz hätte eine Aufwertung dringend nötig.
Nicht unerwähnt sollen zwei Beispiele von Platzgestaltungen durch Unternehmen bleiben: zum einen der „Rote Platz“ von Siemens in Erlangen, der als repräsentativer Eingangsbereich Strukturen der Halbleitertechnik für die Platzgestaltung verwendet, zum anderen die erst vor kurzem vollendete Piazza von Audi in Ingolstadt, deren Architektur es ermöglicht, aus einem „Wallfahrtsort der Automobilsten“ am Abend einen Ort der persönlichen Begegnung zu schaffen. Teil zwei der Ausstellung ist den Fotografen Claudio Hils gewidmet, der in Sao Paulo, Tokio, Bangkok, Los Angeles und Las Vegas die Stadträume und die sich in ihnen bewegenden Menschen aufgenommen hat. Mit dem beklemmenden Eindruck, dass die Entwicklung in diesen Metropolen auf heute noch intakte europäische Innenstädte überschwappen könnte, verlässt der Besucher nachdenklich die Ausstellung, für die auch das ausliegende Katalogbuch empfohlen werden kann.
Stefan Mössler
Nürnberger Nachrichten / Erlanger Nachrichten 22. Februar 2002
Rote Plätze und Utopien
Schnelldurchlauf durch die Geschichte der Stadtplanung: Die Erlanger Ausstellung „Dream City“

Ist diese Aufnahme nun in Los Angeles, Sao Paulo, Tokio oder Bangkok entstanden? Die Zuordnung fällt schwer. Die Fotos von Claudio Hils setzen die gängige Vorstellung vom „typischen“ Erscheinungsbild der Metropolen außer Kraft. Die eingefangenen Situationen könnten aus jeder beliebigen Großstadt stammen, lediglich die asiatischen Schriftzüge geben gelegentlich Hinweise auf den Entstehungsort. Ansonsten bleiben universelle Szenerien, die gleichzeitig gefilmt wurden und nun zusätzlich per Bildschirm Lärm und Hektik verbreiten. „Dream Citys“, Traumstädte, stellt man sich eigentlich anders vor.
„Dream City – Zur Zukunft der Stadträume“ nennt sich die zweigeteilte Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stadt und Zukunft“ in der Städtischen Galerie Erlangen. Claudio Hils` Foto-Essay ist chronologischer Endpunkt der Hauptschau „Zwischen Tradition und Utopie – Veränderung des öffentlichen Raums“, die sich durch die Jahrhunderte hindurchtastet, viele Themen der Stadtentwicklung antippt und sich vor allem der Auflösung traditioneller Stadtstrukturen widmet.
Die Reise durch die Vergangenheit startet in einer Zeit, als die Menschen – genauer gesagt die Herrscher – konkrete Vorstellungen vom Erscheinungsbild ihrer Städte hatten. Die Erschaffung von öffentlichen Räumen wird auch an lokalen Beispielen festgemacht. Das Kapitel Mittelalter ist dabei auf Nürnberg fixiert. Doch vor allem die Konzeption der barocken Planstadt Erlangen wird ausgiebig mit Modellen, Stichen und historischen Fotos beleuchtet.
Die Ausstellung zeichnet anschließend nach, wie während der Industrialisierung die idealtypische Stadt verschwindet. Neue Bauherren prägen die öffentlichen Räume. Die Erlanger Schau stellt dabei dem heimischen Beispiel des „Roten Platzes“ der Siemens AG die Audi-Piazza in Ingolstadt gegenüber. Immer offensiver wird Architektur von Firmen eingesetzt, um mit prunkvoller „Corporate Identity“ in die Öffentlichkeit zu treten. Zudem wird gezeigt, wie in den kommenden Jahren die Neubauten der Universitätsklinik das Erlanger Stadtbild verändern.
Viele weiter interessante Einzelbeispiele aus verschiedenen Epochen tauchen auf: Die Neugestaltung des Ulmer Münsterplatzes, die Stuttgarter Weißenhofsiedlung (deren 75. „Geburtstag“ gerade groß gefeiert wird) oder die Utopien für moderne Städte aus den 20er Jahren, die Filmkulissen zu „Metropolis“ gleichen. Doch die „Veränderungen des öffentlichen Raums“ können – bei der Größe der Städtischen Galerie ist dies gar nicht anders möglich – nur punktuell aufgegriffen werden. Dennoch ist die Ausstellung ein lohnenswerter Schnelldurchlauf durch die Geschichte der Stadtplanung.


Dieter Stoll
Abendzeitung Nürnberg 19. Februar
Die Macht auf dem Marktplatz
Erlangen auf der Suche nach der Zukunft der Städte: „Dream City“

Draußen vor der Tür lauert das Knoblauchsland, drinnen im Saal lärmt die Metropolen-Welt; vom real existierenden Gemüsestand zum nerverzerfetzenden Verkehrs-Video sind es nur ein paar Schritte. „Dream City“ steht auf den Plakaten der Städtischen Galerie am Marktplatz, die eine Ausstellung „zur Zukunft der Stadträume“ versprechen und beiläufig in eine Auseinandersetzung mit Architektur-Schlachten mehrerer Jahrhunderte führen. Karl Manfred Fischer hat das Thema großflächig im Programm der 1000-Jahr-Feier platziert, nachdem schon seit November eine für neun Adressen in Bayern hausgemachte Wanderschau „Architektur in Franken 1995-2001“ den selbstbewussten Grundton anschlägt. Logisch, dass bei der lokalen Bestandsaufnahme in media-ART.zentrum (Helmstr. 1) hinter dem Slogan „Erlangen – eine Stadt mit Zukunft“ das gut denkbare Fragezeichen fehlt.
„Alles ist erlaubt“, beschrieb der Berliner Experte Karl Ganser skeptisch den Stand der Entwicklung im Städtebau bei der Fachtagung, die am Wochenende mit Meinungs-Zündstoff eine Theorie-Basis für die weit reichenden „Lebensraum“-Projekte zum Jubel-Termin schaffen sollte. Bis in den Herbst hinein sind Themen gestreut, von der „Wohn-Kultur“ (ab April im Siemens-Forum) über den Druck zur Erlebnis-Stadt unter dem Hohn-Begriff „Disneyfizierung“ (September, Städtische Galerie) bis zu „Global Babylon City“ (Herbst Stadtmuseum).
In der jetzt eröffneten Schau im Palais Stutterheim kann der Besucher wählen, wie er den Kulturschock organisieren möchte. Recht in der Kleinen Galerie der fotokünstlerisch gefilterte Blick auf den Moloch Großstadt, wie ihn Claudio Hils nach fünfjähriger Motiv-Suche in den legendären Ballungsräumen zwischen Sao Paulo, Tokio und Los Angeles zur ordentlich gereihten Glanzbilderstrecke arrangierte. Nur der Monitor lärmt aufsässig dazwischen.
Auf der andren Seite ist man mit einem Schritt in Nürnberg, sieht – diesseits aller Rechtschreibreformen – die „Abb. Deß schönen Bronnen auff dem Marckt stehendt“. Radierungen, Stiche, historische Skizzen von den allzeit populären Traumadressen (Versailles, Venedig, Florenz, Mailand) belegen die elastischen Philosophien über die zuordnende Geometrie der Macht und die sogkräftige Demokratie des Marktplatzes. Leider zeigt die vom Stadthaus Ulm übernommene und neu bearbeitete Ausstellung nicht, was aus den Entwürfen vom Mittelalter bis in die Gegenwart wurde. Notfalls hätte es eine Ansichtkarte getan.
Auflockerung und zeitweilige Auflösung der Städte mit inzwischen lautstark vertretener Renaissance für den harten Kern, das Glas als seit 1914 klirrendes Phantom der Freiheit, die Piazza als Maß aller Visionen. Schock-Bilder vom Nürnberger Hauptbahnhof sind dabei freundlicherweise nicht verwendet worden.
Ein niedliches Erlanger Innenstadt-Modell, 1940 mitten im Weltkrieg gebastelt, ist von Foto-Dokumenten späterer Jahre umstellt, als vor der Tür der Galerie die Massen den Platz zum Protestforum gegen Notstandsgesetze nutzten. Städtebauliches Firmen-Design wird im Vergleich dokumentiert – Siemens in Erlangen und Audi in Ingolstadt. Spätestens da fällt einem die Ironie im Titel „Dream City“ auf.


Erlanger Nachrichten 15. Februar 2002
Ausstellung „Dream City“ ab morgen geöffnet
Plätze einer Stadt
Projekt der Städtischen Galerie mit Erlanger Bezügen

„Stadt und Zukunft“ ist das große Thema, das in diesem Jahr das 1000-jährige Jubiläum Erlangens mit einer Vielzahl von Veranstaltungen begleitet. Dazu zeigt auch die Städtische Galerie ab Samstag die Ausstellung „Dream City – Zur Zukunft der Stadträume“.
Die vom Stadthaus Ulm konzipierte Ausstellung ist von Karl Manfred Fischer neu zusammengestellt und um einige, insbesondere auch lokale Exponate bereichert worden. Aus der grafischen Sammlung der Universität Erlangen stammen die alten Pläne und Stadtansichten, die rund drei Jahrhunderte europäische Platzgestaltung streifen. Aus dem Stadtarchiv kommen Modell, Stiche und alte Fotografien zur Geschichte der Plätze der barocken Planstadt Erlangen. Ein aktuelles Beispiel für den öffentlichen Raum ist das Areal um das neue Nichtoperative Zentrum, belegt durch ein Stadt-Modell der Universitätsbauamtes.
Ein so noch nicht geführter Exkurs bezieht die Entwicklung des öffentlichen Platzes als Teil der Unternehmens-Corporate-Identity ein. Zwei prägnante Beispiele werden einander gegenübergestellt: der so genannte „Rote Platz“ der Siemens AG in Erlangen, 1981 vor dem blauen Hochhaus angelegt, und die „Piazza“ von Audi in Ingolstadts Nordstadt, die von Vittorio Lampagnani und Wolfgang Weinzierl entworfen wurde.

Wohn!Design Juli/August 2001
In Ulm, um Ulm und...
Städtebauliche Bilanzen bis Anfang Juli

Die Kuratoren des Ulmer Stadthauses üben sich in städtebaulicher Kritik und präsentieren Impressionen aus allen Himmelsrichtungen: Egal ob L. A., Bangkok oder Tokio – was Starfotograf Claudio Hils vor die Linse bringt, spricht nicht gerade für die Stadtplaner des 20. Jahrhunderts. Auch wenn manch´ prunkvoller Palast oder hoher Kirchturm Touristentrauben um sich scharen, beim Thema Plätze werden meisten nur historische Ensemble frequentiert. Warum eigentlich? Dieser Frage geht „Dream City“ nach und stellt die Entwicklung des öffentlichen Raums schlaglichtartig vor – ein unbedingt sehenswertes Fiasko.

Marc Peschke
Photonews Juli/August 2001
Max Stemshorn (Hrsg.)
Dream City
Die Zwischenräume des Urbanen – mit einem Fotoessay von Claudio Hils

Als Europäer lassen sich die immer rasanter wachsenden urbanen Zentren Asiens, Lateinamerikas oder Afrikas kaum begreifen, sich zurechtzufinden ist ganz unmöglich. Immerhin: Der Fotograf Claudio Hils hat es versucht. Das Ergebnis ist die Ausstellung „Dream City“ – nach „Der Kunst-Garten“ und „Die Inszenierung der Freizeit“ der dritte Teil der außerwohnlichen Projektreihe „Architektur und Umwelt“ des Stadthauses Ulm. Ausstellung und Katalogbuch stellen die Frage nach der Zukunft unserer Städte. Im Zentrum des Fotoessays von Hils stehen allerdings nicht die Stadtzentren, die zusehends zur pittoresk inszenierten Kulisse geworden sind. Hils hat sich aufgemacht, die Ränder der Städte fotografische auszuleuchten, die Zwischenräume der Urbanen, wo die Zeit bisweilen stillzustehen scheint: im Grenzbereich zwischen Traum und Realität.
Der immense Bevölkerungszuwachs in den neuen Mega-Städten ist zum drängenden Problem geworden: Schon heute können viele Städte ihrer Bevölkerung nicht mehr ausreichend Energie und Wasser zur Verfügung stellen – und an ihren Rändern entstehen riesige Abfallberge. Und doch scheint die Stadt die einzige Siedlungsform des Menschen zu sein, die ein Überleben sichert. Von der hohen „ökologischen Effizienz“ der Städte ist in einem Buchtext die Rede – der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur. So richtet sich der Fokus des deutschen Fotografen Claudio Hils auch nicht einseitig auf die Problematik des Neuen Bauens, nicht die „Unwirtlichkeit“ dieser Städte ist sein singuläres Thema. Stattdessen macht Hils Unterschiedlichkeiten von Stadtbildern ( am Beispiel von Las Vegas, Los Angeles, Sao Paulo, Bangkok und Tokio) und ihren Strukturen sichtbar. Eine ganze Reihe von Arbeiten zeigen die bereits angedeutete Kulissenhaftigkeit des urbanen Raums, die in Architekturtypen wie der Shopping Mall auf die Spitze getrieben wird.
Man wird sich – auch das ist eine These von Claudio Hils´ Fotoessay und den Textbeiträgen von Mac Stemshorn, Sabine Presuhn, Klaus Töpfer, Sebastian Redecke, Ulrich Schneider und Manfred Schmalriede – in Zukunft von der europäischen Idee kompakter und zentraler Innenstädte verabschieden müssen. Riesige Baugruben, ein undurchdringliches Geflecht von Kabeln, Strommasten, Straßen und Kanälen deuten dies bereits heute an. Die gezeigten Vorstädte erschüttern in ihrer Banalität – und wenn im Katalog davon zu lesen ist, diese Entwicklung würde in vielen Fällen von den Bewohnern akzeptiert, so sprechen einige der Fotografien eine andere Sprache. Man macht aus der Not eine Tugend, richtet sich in Nischen ein, seien es Bretterverschläge oder nur eine Straßenecke, die zum Treffpunkt der Menschen geworden ist.
Neben der Kulissenhaftigkeit von Zoos, Einkaufszentren und Parks sucht der Blick des Fotografen vor allem jene urbanen Felder, deren Nutzung noch nicht endgültig definiert scheint: Brachflächen, Müllhalden und Baustellen, die überall auf der Welt durch Bretterzäune und Maschendraht von anderen Stadtgebieten separiert werden. Dass selbst diese Zäune wiederum zur Illusion von Urbanität genutzt werde, ist auffällig. Kaum ein Bauzaun, der nicht auch Werbefläche ist – oder als Kulisse imaginierter Einkaufsparadiese dient.
Sich im „urban jungle“ zurechtzufinden ist schwierig, doch bietet der Fotograf freundlicherweise Hilfe an. In gewisser Hinsicht macht er sich, wie Manfred Schmalriede in seinem Buchtext aufzeigt, eine eigen Fremdheit zunutze: „Zwischen sich und seine Umgebung schieb er die Kamera als vermittelnde Instanz, um über die Distanzierung Nähe zu erzeugen.“
Hils´ fotografischer Ansatz ist auch in diesem Widerspruch zu verstehen: Distanz schafft der Fotograf etwa, indem er aus der Vogelperspektive einen Blick auf die urbane Welt zu erhaschen sucht: Häufig fotografiert er sein Bilder von erhöhtem Standpunkt und meistens mit einer beinahe wissenschaftlich anmutenden Tiefenschärfe. Doch sind es vor allem die Kompositionen, welche den distanzierten Kamerablick immer wieder hintergehen. So rückt Hils etwa den ärmlichen Bretterverschlag einer Familie aus Sao Paulo ganz nah an den Betrachter. Darüber laufen Stromleitungen aus dem Bild, welche die Endlosigkeit (auch Ausweglosigkeit) der gezeigte Wohn- und Lebenssituation vor Augen führen.
Dass Hils´ Arbeiten das Chaos heutiger Städte in Bilder fassen, die auseinanderstrebende Linien, Raster und Strukturen zu eindringlichen Fotografien verdichten, macht sie zu etwas Besonderem – vor allem, weil ihr Sujet genau das nicht mehr leisten kann: Aus den historischen Städten mit ihren einprägsamen, originären Zentren sind auseinanderlaufende, oft austauschbare, grenzenlose Monster geworden, deren unübersichtliches „Allover“ (Schmalriede) gleichermaßen Alarmsignal und Faszinosum geworden ist. Claudio Hils gibt diesen Orten eine neue Ordnung.

Bruno Manz
Fotomagazin Juli 2001

Die Fontana die Trevi in Rom, die Kathedrale Notre Dame in Paris oder der Buckingham Palace in London – es sind noch immer die Motive, die unser Bild von Großstädten prägen. Tausendfach auf Postkarten Vervielfältigt. Titelfotos unzähliger Reiseführer. Als Claudio Hils seine Mamiya 6x7 in Tokio, Bangkok, Sao Paulo, Los Angeles aufstellte, hatte er sich diese Metropolen gezielt ausgewählt, um das Bild der Großstadt von heute zu hinterfragen. Und stellte am Ende fest, dass er von diesen doch so gänzlich voneinander entfernten Orten rund um den Globus mit dem gleichen Bildmaterial zurückkehrte. Das legt nun zweierlei Interpretationen nahe: Hils hat zum einen eine ganz ausgeprägt individuelle Sicht der Dinge. Seine Fotos analysieren, zerlegen Stadtlandschaften, Erlebtes in Fragmente, in Signifikantes, suchen nach Strukturen. „Ich spiele nicht mit dem Zufall“, sagt der 39jährige Fotograf. „Meine Bilder sind bis ins Letzte durchgestaltet.“ Hils formt aufnahmen nach eigenen Vorstellungen, holt Betongiganten aus verschiedenen Blickwinkeln ins Bild, konstatiert die Banalität öffentlicher Räume in Vorstädten und Wohnsiedlungen – mit großer Tiefenschärfe oft von erhöhten Standpunkt fotografiert. Darüber hinaus legt uns der Fotograf nahe, über den „städtebaulichen Pragmatismus in den Metropolen“ nachzudenken. Er zeigt die immer gleichen Metastrukturen der modernen Großstadt in verschiedenen Kulturkreisen. Geschichte ist für Hils im Bild der Stadt zum fragwürdigen Tourismus-Event degradiert, das ihn nicht interessiert. Seine Motive spezifizieren den Ort nicht, konzentrieren sich auf die uniforme Gegenwart. Und legen die erschreckende Normierung architektonischen Denkens nahe.

Joachim Goetz
Ruhr Nachrichten 21. Juni 2001
Kulissen für Touristen
Ausstellung: Ulm zeigt die Auflösung der Stadtzentren

Man liebt, achtet, bewundert sie auf der ganzen Welt. Die großen Plätze der europäischen Stadtbaukunst – Il Campo/Siena, Place Vendome/Paris, Piazza Navona/Rom, Pariser Platz/Berlin – werden jährlich von Millionen Touristen geradezu heimgesucht. Aber was ist heute noch dran, an den nostalgischen Orten? Eine Ausstellung des Ulmer Stadthauses zeigt unter dem Titel Dream City eindrucksvoll eine andere Wirklichkeit.
Schlaglichtartig zeichnet die Schau die Entwicklung des Raumes europäischer Städte nach. Im 20. Jahrhundert war die Stadt geradezu revolutionären Veränderungen ausgesetzt. Zuerst ließ man das Auto reinfahren und parken, dann verbannte man es wieder. Der Kommerz ließ von den Gebäuden oft höchstens die Fassaden übrig. Die Anmutungen sogenannter gewachsener Stadtstrukturen kamen dabei ja reichlich zu kurz. So entstanden im letzten Jahrhundert, auf das die Schau den Schwerpunkt legt, nur wenige öffentliche räume, die auf Menschen ein große Faszination ausüben.
Im Gegensatz zu den Funktionalisten wussten alte Baumeister und Städteplaner offensichtlich exakt um die Methoden, mit denen man beeindruckende Freiräume erzeugte. Schließlich sind es ja nicht nur die von Postkarten prangenden Paläste, antiken Monumente oder Kirchen, die unsere Vorstellung von Stadt prägen. Es sind eben auch die unbebauten Teile.
Als man sich all das wieder ins Gedächtnis zurückgerufen und publik gemacht hatte, entstand bald eine restaurative Bewegung. Sie erzwang – nicht selten gegen erbitterte Widerstände von Auto-Lobby und Einzelhandel – die behutsame Erneuerung alter Stadträume. Die Aktivitäten dort sind freilich touristisch, kommerziell und stehen in krassem Widerspruch zu den tristen Realitäten der Vorstädte.
Das muss heutzutage (jedenfalls in Europa) jedoch nicht unbedingt zu großem Katzenjammer führen, die pittoresken Zentren sind leicht erreichbar. Allerdings findet man dort keine vitale Altstadt im historischen Sinne mehr, eher eine Art Kulisse, die den ansprechenden Hintergrund für Erbauungen wie Shopping, Tourismus, Event oder Flanieren bilden. Die dort noch lebenden Menschen werden gleich mit zur Staffage. Die Bilder intakter alter, historischer Innenstädte symbolisieren auch hochstehende Kultur, Wohlstand, gesellschaftliche Ordnung oder gar politische Stabilität. Sie werden mit positiven Emotionen, Sehnsüchten und Träumen besetzt und deshalb nicht zuletzt gerne bei der Ausstattung von Freizeittempeln und Einkaufsparadiesen zitiert. Die Ausstellung stellt nun mit einem einzigartigen Fotoessay die Frage, ob es sich bei der europäischen Stadt nicht vielmehr um ein Trugbild handelt. Schließlich ist sie zu einer Art leeren Hülle geworden, austauschbar, nachbaubar, Disney-mäßig. Und die Realität in den wirklich großen Städten der Welt etwa Sao Paulo, Tokio, Los Angeles, Bangkok, Schanghai sieht ganz anders aus, meist chaotische explodierend.


Daniel Kothenschulte
Frankfurter Rundschau 16. Juni 2001
Ordnung in der Unordnung: „Dream City“, Claudio Hils Fotografien urbaner Freiräume

Als die Berliner Mauer gefallen war und ihr Schutt noch nicht ganz weggeräumt, da hörte man auch einen kühnen Vorschlag, sie doch noch zu retten. Wenn es so sei, dass die Bauten langfristig das Gesicht das Städte weit weniger prägen als Leerflächen wie Plätze und Straßen, dann hätte man an die Stelle der Mauer nur einen Boulevard setzen müssen. Was als Mahnmal an die Teilung der Stadt gedacht gewesen war – es hätte diese wohl für Jahrhunderte festgeschrieben.
„Dream City“ heißt eine vom Ulmer Architekten und Kurator Max Stemshorn herausgegebene Essay-Sammlung über den Bedeutungswechsel, den bewohnbare Freiflächen in der Städteplanung erfahren haben. Hauptattraktion und –motivation des großformatigen Bandes zu einer Ulmer Ausstellung ist aber ein Fotoessay des Essener Fotografen Claudio Hils (Jahrgang 1962).
Plätze, in vergangenen Jahrhunderten weithin sichtbare Zeichen von Reichtum und Lebensfülle einer Metropole, wurden im 20. Jahrhunderts zu Stiefkindern der Stadtplanung degradiert. Und doch produzieren gerade die Megacities wie Sao Paulo, Tokio, Los Angeles, Bangkok und Las Vegas höchst belebte Feiflächen. Was hat eine bewohnte Müllhalde in Sao Paulo noch mit dem Idealbild europäischen Piazza gemein? Hils hat all diese Orte bereist und Bilder von ihnen gemacht, stets die tradierten Ordnungsvorstellungen im Gepäck. Man wird nicht ganz schlau daraus ob sein stets sichtbarer Wille zur Komposition, zur Schwerpunktsetzung oder semiabstrakten Strukturzeichnung diese Differenz nun thematisieren will – oder nicht ablegen kann. Hochhausfassaden aus Sao Paulo verwandeln sich in seiner Kamera in elegant austarierte Kompositionselemente, Autos auf einer Schnellstraße in Los Angeles hinterlassen vor einem ethno-kitschigen Wandbild malerische Spuren.
Stahlträger eines brasilianischen Hochhaus hätten in ihrem spannenden Raster auch schon Rodtschenkow gefallen, während jener Blick durch einen japanischen Kirschbaum auf einen Tokioter Platz schon Van Goghs Geschmack getroffen hätte. Immer gibt es einen Blickfang in Hils Bildern, was sie durchaus den Fotoakteuren der Magazine anempfiehlt. Aber wozu überhaupt die Suche nach all der Attraktion im Ereignislosen?
Liegt doch gerade die ästhetische Besonderheit mancher Wegwerf-Architektur in der Abwesenheit des Gestaltungswillen und ihrer dennoch sich einschleichenden ästhetischen Reize. Am besten gelingen jene Arbeiten – wie eine Passantengruppe in Sao Paulo, eingefangen zwischen weißen Hochhausfassaden und gelben Bauzaunmaschen – in denen sich Hils Ästhetisierungen lediglich auf das ausgeprägte Farbempfinden des Fotografen verlassen.
Der sichtbare Ausdruck von Urbanität und Peripherie ist ein beliebtes Thema der zeitgenössischen Fotografie. Die größte Herausforderung an dieses Sujet liegt dabei in der Frage, inwieweit sich die Fotografie dabei ebenfalls der Erwartung auf Attraktion verweigern kann, ohne indifferent zu werden. Setzt doch Verkehrsarchitektur ihre eigenen ästhetischen Standards der Unauffälligkeit, die gerade dann bildhaft evident werden, wenn da mit nichts Außergewöhnliches unternommen wird.
Vielleicht bringt ja gerade Hils verzweifelte Suche nach dem Bildwürdigen der Unauffälligkeit jenes Dilemma am besten zum Ausdruck, welches das verkorkste Verhältnis des gestaltungsverletzten 20. Jahrhunderts zum öffentlichen Freiraum mehr als alles andere prägte die Angst vor der Unordnung.


Frankfurter Allgemeine Zeitung 07. Juni 2001
Kein Platz: Städte träumen nicht von Menschen

Die Plätze Roms oder die Boulevards von Paris, schreit der Architekt und Stadtplaner Max Stemhorn zu der von ihm konzipierten Ausstellung „Dream City“, stünden nicht nur für Urbanität. Vielmehr verbänden sich mit ihnen auch Begriffe wie Wohlstand, Kultur, gesellschaftliche Ordnung und politische Stabilität. Dann aber fragt er, ob diese Freiräume nicht längst zur bloßen Kulisse verkommen seien.
Das Bild von der Stadt als geordnetes und überschaubares Zuhause, als Heimat, hat freilich so lange schon Schrammen, Dass es wenig originell erscheint, noch von der Unwirtlichkeit der Städte zu sprechen. In den Metropolen Europas herrschen großenteils Chaos und Wüstenei. Doch erst das ungestüme Wachstum solcher Mega-Agglomerationen wie Sao Paulo und Los Angeles, Bangkok und Tokio oder der in die Wüste gepflanzten Großstadt Las Vegas macht deutlich, was tatsächlich auf dem Spiel steht, wenn alte Strukturen leichtfertig aufgegeben werden. Ein Foto-Essay von Claudio Hils mit Bildern ebenjener Orte, Darstellungen jenseits der vertrauten Postkarten-Ansichten, bilden deshalb das Herzstück der Präsentation. In Kompositionen von bestechender Klarheit und Schönheit werden bei Claudio Hils Brücken, Gerüste und Fassaden gleichsam zu Mitteln, den Menschen auszusperren. Die Bewohner werden zu Fremdkörpern in ihrer eigenen Umgebung. – Unsere Abbildung zeigt eine Straßenschlucht in Sao Paulo.

Deutsche Bauzeitung Juni 2001
Dream City (Ulm)

Der öffentliche Raum steht in der Diskussion – und zur Disposition. Seine Privatisierung schließt Menschengruppen aus, die Motorisierung erweitert ihn ins Unendliche, so dass er kaum mehr erlebbar wird. Die Zentren der Städte werden für die aufgemöbelt, die nicht dort wohnen und am Feierabend und am Wochenende eine stimulierende Umgebung suchen, um sich beim Einkaufen wohl zu fühlen. An den schäbigen Orten des öffentlichen Raum im Laufe der Geschichte unterworfen? Die Ulmer Ausstellung geht dieser Frage sachlich und anschaulich nach, sie dokumentiert, wie und unter welchen architektonischen Idealen der Raum in unseren Städten verändert wurde. Dies ist der erste Teil der Ausstellung. Er dokumentiert neben der Kulissenarchitektur der Postmoderne auch die Bemühungen, den Stadtraum auch dort zu gestalten, wo er wirklich noch das Lebensumfeld des Menschen ist.
Der zweite Teil der Ausstellung wurde von Claudio Hils gestaltet. Seine Fotografien dokumentieren, welche Entwicklung der öffentliche Raum dort nimmt, wo es kein geschichtsmächtiges Bild der alten Stadt gibt: in Los Angeles, Las Vegas, Sao Paulo, Bangkok und Tokio. Nach Bildthemen geordnet, geben diese Bilder einen Eindruck dessen, was auch in Europa möglich sein könnte: von der Vereinheitlichung der Gestaltung bis zum Elend in Armenvierteln. Eine Installation macht darauf aufmerksam, dass sich in Ulm selbst in den letzen Jahren einiges verändert hat. Auf verschiedenen Ebenen wird der Boden wieder als das dargestellt, was er vor dem Bau des Stadthauses war: ein asphaltierter Parkplatz.


IHK-Magazin Juni 2001

Um städtische Plätze und Freiräume geht es in der Ausstellung Dream City, die bis zum 1.Juli im Stadthaus Ulm zu sehen ist. Einerseits üben die historischen Innenstädte Europas weltweit immer noch große Faszination aus, andererseits werden sie mehr und mehr zur Kulisse für Shopping und Events. Die Ausstellung zeigt die revolutionären Veränderungen, denen europäische Straßen und Plätze im 20. Jahrhundert unterworfen waren. Außerdem zeigt sie Bilder von chaotischen wachsenden Städten in Asien und Südamerika und stellt die Frage, ob das Festhalten am Bild der traditionellen Stadt nicht längst ein irrealer Traum ist.

Jochen Paul
Bauwelt Juni 2001
Dream City

Was wäre Siena ohne die Piazza del Campo, Venedig ohne die Piazza San Marco und den Campanile? Die Attraktivität der Städte fußt auf der Qualität ihrer öffentlichen Räume, und die waren in der Vergangenheit mehr als nur die Summe aus Häusern und Baulücken – darum geht es der Ausstellung. Deshalb lenkt der Ausstellungsleiter Max Stemhorn den Blick weg von spektakulären Einzelbauten hin zu den umliegenden Freiräumen. Wem die Schautafeln nicht reichen, - eine enthüllt ganz nebenbei, wie viel Richard Meiers 1993 realisierter Entwurf für das Stadthaus einem nicht realisierten Entwurf von Hans Scharoun aus dem Jahre 1924 verdankt – muss nur aus dem Fenster auf das Münster und den Münsterplatz schauen, um Glanz und Elend der Stadt zu begreifen.
„Dream City“ besteht eigentlich aus zwei Ausstellungen: aus einer Chronologie der mitteleuropäischen Stadtentwicklung seit dem 10. Jahrhundert und aus großformatigen Farbfotografien von Claudio Hils, die auf den ersten Blick mit dem anderen Teil wenig zu tun haben. Auf den zweiten Blick schon: Zwar gelingt es „Dream City“, die grundlegenden Paradigmenwechsel von der mittelalterlichen Siedlung an der Handelsstraße zur befestigten Bürgerstadt der Renaissance, vom absolutistischen Herrschaftsmodell des Barock zur modernen Metropole des 19. Jahrhunderts nachzuzeichnen. Und es gelingt auch aufzuzeigen, warum die Bedeutung des Stadtr4aums vom 15. bis ins 20. Jahrhundert abgenommen hat und warum die Vorkriegsmoderne mit ihren städtebaulichen Idealen scheitern musste.
Die Ausstellung hält aber nicht, was sie im Untertitel verspricht, nämlich eine Aussage „zur Zukunft der Stadträume“ zu treffen, und sei es nur für die „europäische Stadt“ – dass es die Postmoderne und der Neo-Historismus nicht gewesen sein können, weiß jeder, der einmal einen Nachmittag im Potsdamer Kirchsteigfeld verbracht hat. Der Ausblick jedenfalls, dass die Stadt als Konsumgut inszeniert wird, ist nicht neu; die Gestaltung von Stadtraum war schon immer eine Frage des Budgets und der Prioritäten. Neu sind nur die Akteure und deren Absichten: Für Projektentwickler und Kapitalsammelstellen ist Stadtraum vor allem eine Frage der Rendite.
Hier versucht sich „Dream City“ mit Claudio Hils’ Aufnahmen von Städten wie Bangkok und Tokio, Los Angeles und Las Vegas zu behelfen. Die belegen nachdrücklich, wie wenig westeuropäische Vorstellungen als Vorbild für andere Kulturkreise taugen, aber auch das wussten wir schon vorher. Jenseits dessen sind sie ebenso gut als Menetekel („Ist das die Zukunft unserer Städte!?“) wie als Beruhigungspille („Die wahren Katastrophen spielen sich woanders ab...“) interpretierbar. Andererseits – und das illustrieren die Fotos von lieblosen, aber belebten Straßenfluchten in Sao Paulo eben auch – will öffentlicher Raum vor allem eines: angeeignet werden.

Joachim Goetz
Landshuter Zeitung 29. Mai 2001
Die Altstadt ist zum Trugbild geworden
Eine Ausstellung in Ulm dokumentiert den Wandel historischer Innenstädte

Man liebt, achtet, bewundert sie auf der ganzen Welt. Die großen Plätze der europäischen Stadtbaukunst – Il Campo/Siena, Place Vendome/Paris, Piazza Navona/Rom, Pariser Platz/Berlin und wie sie alle heißen – werden jährlich von Millionen Touristen geradezu heimgesucht. Aber was ist heute noch dran, an den nostalgischen Orten, die nicht selten zu Inkunabeln der Baukunst erklärt werden?
Eine Ausstellung des Ulmer Stadthauses stellt unter dem Titel „Dream City“ eindrucksvoll unter Beweis, dass die Wahrheit anders aussieht. Schlaglichtartig zeichnet die Schau die Entwicklung des Raumes europäischer Städte nach. Im zwanzigsten Jahrhundert war die Stadt geradezu revolutionären Veränderungen ausgesetzt. Zuerst ließ man das Auto reinfahren und parken, dann verbannte man es wieder. Der Kommerz ließ von den Gebäuden oft nur – oder nicht einmal die Fassaden übrig. Die Anmutungen sogenannter gewachsener Stadtstrukturen kamen dabei reichlich zu kurz. So entstanden im 20. Jahrhundert, auf das die Schau den Schwerpunkt legt, nur wenige öffentliche Räume, die auf Menschen eine große Faszination ausüben. Bemerkenswert ist dies schon deshalb, weil die technischen, finanziellen und informativen Möglichkeiten ungleich größer waren als je zuvor.
Im Gegensatz zu den Funktionalisten wussten alte Baumeister und Städteplaner offensichtlich exakt um die Methoden, mit denen man beeindruckende Freiräume erzeugte. Schließlich sind es ja nicht nur die von Postkarten prangenden Paläste, antiken Monumente, Kirchen, Türme, Freitreppen, Kolonnaden oder Brücken, die unsere Vorstellung von Stadt prägen. Es sind auch die Freiräume, ihre Dimensionen, die Nachbarbauten, Struktur, Relief und Material des Bodens sowie Bepflanzungen und das „Leben“, das den Charakter bestimmt. So entstehen unterschiedliche Vorstellungen, etwa eines ruhigen, belebten, monumentalen, intimen, vielleicht sogar melancholischen oder heiteren Platzes.
Als man sich all das wieder ins Gedächtnis zurückgerufen und publik gemacht hatte, entstand bald eine restaurative Bewegung. Sie erzwang – nicht selten gegen erbitterte Widerstände von Auto-Lobby und Einzelhandel – die bedeutsame Erneuerung alter Stadträume. Die Aktivitäten dort sind freilich touristisch, kommerziell und stehen in krassem Widerspruch zu den tristen Realitäten der Suburbs.
Das muss heutzutage (jedenfalls in Europa) jedoch nicht unbedingt zu großem Katzenjammer führen. Dank unserer Mobilität ist man der Monotonie schnell entfleucht, die pittoresken Innenstädte sind leicht erreichbar. Allerdings findet man dort keine vitale Altstadt im historischen Sinne mehr, eher eine Art Kulisse, die den ansprechenden Hintergrund für die unterschiedlichsten Erbauungen wie Shopping, Tourismus, Event oder Flanieren bildet. Die dort noch lebenden Menschen werden sozusagen zur Staffage.
Die Bilder intakter alter, historischer Innenstädte besitzen weltweit eine starke Suggestionskraft. Die Plätze von Rom und die Boulevards von Paris verbindet man nicht nur mit Urbanität. Sie symbolisieren auch hochstehende Kultur, Wohlstand, gesellschaftliche Ordnung oder gar politische Stabilität. Sie werden mit positiven Emotionen, Sehnsüchten und Träumen besetzt und deshalb nicht zuletzt gerne bei der Ausstattung von Freizeittempeln und Einkaufsparadiesen zitiert. Auch ihr „Auftritt“ in Fernsehfilmen erfreut sich höchster Beliebtheit.
Die Ausstellung stellt nun mit einem einzigartigen Fotoessay (und im Katalog mit Textbeiträgen) die Frage, ob es sich bei „der europäischen Stadt“ nicht vielmehr um ein Trugbild handelt. Schließlich ist sie zu einer Art leeren Hülle geworden, austauschbar, nachbaubar, Disney-mäßig. Und die Realität in den wirklich großen Städten der Welt, etwa Sao Paulo, Tokio, Los Angeles, Bangkok, Shanghai sieht ganz anders aus. Man findet dort sprunghaft wachsende urbane Agglomerationen, die im besten Falle planvoll, ansonsten chaotisch explodieren.

Schwäbische Zeitung 07. Mai 2001
Ausstellung „Dream City“
Stadtarchitektur: Europa contra Asien

Ulm – Die Ausstellung “Architektur und Umwelt – Dream City – Zur Zukunft der Stadträume“ ist noch bis 1. Juli im Stadthaus zu sehen.
Belebte Plätze und großzügige Boulevards mit prunkvollen Palästen und ehrwürdigen Kirchen: Auf Postkarten und Reiseführern millionenfach reproduziert, prägen diese Bilder die Vorstellung von Stadt. Nach den Zerstörungen durch den Krieg und Wiederaufbau scheinen sich diese Bilder in den Städten in den vergangenen Jahren tatsächlich wieder eingestellt zu haben.
Doch sind es letztlich nur wenige Orte, die diesem Ideal entsprechen. Spätestens am Rand der Innenstadt, geschweige denn in den Wohnsiedlungen am Stadtrand, ist von diesem Zauber nichts mehr zu spüren.
Die Ausstellung spannt einen Bogen von der europäischen Stadt über amerikanische Metropolen bis hin zu den atemberaubenden Agglomerationen in Asien und macht dabei deutlich, was die europäische Stadt ausmacht und welches Potential die europäische Stadt für die Lösung der Probleme des 21. Jahrhunderts hat.
Roberta De Righi
Münchner Abendzeitung 02. Mai 2001
Die Stadt – ein Albtraum
In Ulm forscht die Ausstellung „Dream City“ nach dem Rezept der Urbanität für die Gestaltung öffentlicher Räume

Metropolen sind mehr als ökonomische Funktionsräume, öffentliche Plätze mehr als Bebauungslücken, eine Ansammlung von Gebäuden ergibt noch keine Stadt. Angesichts des Verfalls der Stadt zum Ballungsraum ist der Leidensdruck groß, das Rezept für Urbanität herauszufinden. Die Ulmer Ausstellung „Dream City“ nahm sich des Themas an – und brachte nur Gemeinplätze zustande.
Zwar wird die Entwicklung der europäischen Stadt visuell klar aufbereitet: von der Siedlung an der Handelsstraße zur befestigten Bürgerstadt, vom absolutistischen Herrschaftsmodell zur modernen Metropole. Da wird die Gemütlichkeit mittelalterlicher Städte beschworen – und die Moderne als Hort des Bösen gezeichnet. In der Tat verkamen Le Corbusiers aberwitzige Entwürfe der Idealplan einer „Stadt der Gegenwart“ bei den Nachkriegs-Stadtplanern zum Albtraum der „autogerechten Stadt“. Dabei hatten Architekten, die schon in den 20ern Hochhausviertel im Grünen entwarfen, in erster Linie die Abschaffung des Mietskasernenelends zum Ziel.
Die Ulmer Schau kommt arg historismus-beseelt daher: Charles Moores Piazza d´ Italia in New Orleans aus den 70ern gilt als gelungenes Platz-Ensemble, obwohl der poppige Zitate-Mix längst als postmoderner Kulissenzauber verschrieen ist. Oder Paolo Portoghesis neuer Exerzierplatz in Pirmasens: eine Synthese aus Berninis Peterplatz-Kolonnaden und Michelangelos Oval auf dem Kapitol. Bei aller Hochachtung vor Portoghesi: Da entstand nur toter Retro-Chic, der von den Barock-Genies die Form, aber nicht den Geist übernahm.
Kurz und kritisch beleuchtet wird hingegen der amerikanische New Urbanism: Disneys World of Living. Dass die Zukunft der Stadträume nicht in einer recycelten Vergangenheit liegen kann, stellte der Stadtbautheoretiker Camillo Sitte schon 1889 fest. Aus einzelnen Monumenten lässt sic keine Stadt bauen. Doch wie man Dream-Cities zum Leben erweckt, darüber macht man sich in Ulm wenig Gedanken. Weder wertet die Schau aktuelle und geplante Großbauvorhaben in Berlin (etwa am Alexanderplatz), noch zeigt sie MVRDVs plakative Hochhaus-Visionen, die sich verästeln wie Bäume.
Stattdessen schickte man den Fotografen Claudio Hils in vier Mega-Cities: Los Angeles, Bangkok, Tokio und Sao Paulo. Seine Fotos fangen das Elend der Großstädte allerdings oft so pittoresk ein, dass die abschreckende Wirkung hinter der gestylten Bild-Ästhetik zurücktritt.
Den Weg nach Ulm kann man sic also sparen; der Katalog mit einer Reihe von differenzierten Aufsätzen lohnt trotzdem.

Thomas Vogel
Schwäbische Zeitung 05. Mai 2001
Ausstellung „Dream City“
Manchmal währt Albtraum nur kurz

ULM – Die Vergangenheit ist auch nicht mehr unbedingt das, was sie einmal war: statt golden kommt sie teerig daher. Das neuerlich asphaltierte Stück Münsterplatz ist freilich vergänglich, ein Exponat und externer Ableger dieser Schau im Stadthaus, der ihren Titel durchaus ins Ironische wendet: „Dream City“.
Asphalt mit Parkierungsstreifen statt Rosa Dante mit Aufenthaltsqualität. Zumindest dieser Albtraum in der City wäre vorbei, seit der Ulmer Hauptplatz vor zehn Jahren noch einmal neu erfunden worden ist – auferstanden als Platz des städtischen Lebens und damit den Kralen des Autos entrissen, die ihn zur monofunktionalen Allerweltsfläche degradiert hatten, auf dem sich schlecht träume ließ.

Es geht um innere Bilder

„Dream City“ – Ausstellungsmacher Max Stemshorn versteht darunter in erster Linie einmal jene inneren Bilder einer Traumstadt, mit prächtigern Monumenten, Palästen, Kirchen, wie sie auf Postkarten und in Bildbänden millionenfach reproduziert sind, auf Hochglanz und ohne Autos als störendem Beiwerk.
Doch nicht nur, dass auch Stadtträume zumeist nur Schäume sind. In der schnöden Wirklichkeit sind die Stadtbetrachter oft weitaus weniger kritisch. Vom Blech verstellter, durch architektonische Grausamkeiten verunstalteter Stadtraum wird als selbstverständlich hingenommen. Oder wo wären, um zwei Ulmer Beispiele zu geben, die Rufe zur Rettung von West- oder Römerplatz, der allein durch sein Schild überhaupt noch als Platz wahrnehmbar ist.
In der Sensibilisierung für die offenen stadträumlichen Wunden liegt der pädagogische Impetus dieser sehenswerten Ausstellung, die im übrigen, ohne Zeigefinger auskommend, im Kern eine Kleine Geschichte des europäischen Städtebaus ausbreitet. Die Renaissance, der Absolutismus, die Industrialisierung, die Moderne – sie brachten jeweils spezifische städtebauliche Leitbilder hervor, die in enger Wechselwirkung zum gesellschaftlichen System und zum Stand der Technik standen. Der Stadtraum als eigenständiger Faktor, so Stemshorns kaum zu widerlegende Kernthese, sie dann mit dem Auftrieb der Modernen im Städtebau ab Mitte der 1920er Jahre verschwunden oder zur Restgröße geschrumpft, als die er vielfach noch heute ein Kümmerdasein fristet.
Die Aufmerksamkeit galt fortan allein den einzelnen Bauten, den Fassaden, aber nicht den öffentlichen Raum dazwischen. Dabei ist er es, der in einer Stadt maßgeblich zur subjektiven Aufenthaltsqualität beiträgt, noch nicht einmal die Architektur, wie sich an einem der berühmtesten europäischen Plätze, dem Campo in Siena, zeigt.

Stichwort Stadtreparatur

Stadtreparatur und Stadtsanierung lauten die Stichworte, die in den 80er Jahren innerstädtisches Gegensteuern auslösen. Nicht nur auf den Postkarten ist die Plätze-Qualität inzwischen vielerorts wieder „in Ordnung“, das Blech ist weg, die inneren Bilder finden Stoffe für Träume. Freilich würde es nach wie vor niemandem auch nur im Traum einfallen, in die Vororte oder Neubaugebiete der Städte oder gar Vorstädte zu fahren in Erwartung von Erlebnissen dieser Art Dort, wo die meisten Menschen wohnen, ist es um den öffentlichen Raum weiterhin übel bestellt, ohne dass die Bedürfnisse danach verschwunden wären.
Die zeitgenössische „Dream City“ aber entstehen nicht mehr als Original, sondern als Fake in Gestalt der Riesenprojekte der Freizeitindustrie, der Einkaufszentren oder der Erlebnisparks, die den Albtraum symbolisch aufheben, realiter aber die automobile Gesellschaft auf den Gipfel treiben und ihn so immer weiter verstärken.
Bleibt als Trost, dass nicht immer alles nur schlechter wird, der Münsterplatz ist schon besser, der Teerfleck, die Reminiszenz an die ignorante Vergangenheit, lässt sich am Ende der Schau leichterdings wieder entfernen, wisch und weg. Und wem dieser symbolische Akt nicht genug an Genugtuung bedeutet, sei auf das Ulmer Hoffnungsobjekt Nummer eins verwiesen: Die einmal überbaute Neue Straße verspricht die Möglichkeit der Rückeroberung eines weitern Stücks ruinierten Stadtraums. Ganz real.
Der Spiegel 30. April 2001
Ausstellungen
Tokios rote Nächte

In Tokio gibt es nicht nur Tausende Restaurants und Bars, sondern auch unzählige Automaten, damit sich die Menschen für ihren 14-Stunden-Arbeitstag oder ihre 2-Stunden-Heimfahrt in der U-Bahn mit Snacks versorgen können. Überhaupt ist der Großraum einer Stadt mit 25 Millionen Einwohnern darauf angewiesen, dass von allem besonders viel vorhanden ist und das rund um die Uhr: ob Wasser zum Duschen oder Flugverbindungen. Metropolen in der Größe der japanischen Hauptstadt, so prophezeien Experten, wird es in Zukunft immer mehr geben – ohne deren ausgeklügelte Infrastruktur. Gerade in Afrika oder Südamerika werden Städte weiterhin explosionsartig wachsen, obwohl die Lebens- und Wohnbedingungen schon heute katastrophal sind. Aber auch das reiche Las Vegas, das sich mitten in der Wüste einen Nachbau von Venedig mit eigenen Wasserstraßen leistet, kann nicht als Idealstadt der Zukunft gelten. In der Ausstellung „Dream City“ im Stadthaus Ulm werden nun die Möglichkeiten und Grenzen der Stadtplanung untersucht. Der Fotograf Claudio Hils wurde beauftragt, die bizarren Ecken der heutigen Mega-Städte Bangkok, Tokio, Los Angeles, Las Vegas und Sao Paulo zu dokumentieren: Freiluftaltäre zwischen Bangkoks Hochhäusern, riesige Springbrunnen in Las Vegas, neonrote Nächte in Tokio und Dächer in Sao Paulo, die als Müllhalden benutzt werden.

Schwäbische Zeitung 27. April 2001
Stadthaus-Ausstellung
„Dream City“ leistet Rück- und Ausblicke

Ulm – Über Architektur und Städtebau grundlegend nachgedacht wird jetzt in Form der von Max Stemshorn im Stadthaus eingerichteten faszinierenden Ausstellung „Dream City“. Am Sonntag um 11.30 Uhr wird sie eröffnet, sie läuft bis zum 1. Juli.
Der Ort Stadthaus selbst wird in einer Art Ulmer Selbstironie in die Gedankenspiele einbezogen, indem vorm Haus und sogar auf Terrassen Parkplätze auf Asphalt angedeutet werden: eben wie´s früher einmal war! Ernsthaft thematisiert wird in der Schau selbst die Entwicklung der Stadträume vom Mittelalter bis heute. Jenseits der Bestandsaufnahme steht dann die Frage: Wie mag das europäische Stadtbild in Zukunft aussehen? Mit einem Blick auf fünf überseeische Mega-Metropolen, der in interessanten, kompetent angelegten Foto-Reportagen aus Las Vegas, Bangkok, Tokio, Los Angeles und Sao Paulo von Claudio Hils besteht, sollen Visionen möglicher Entwicklungen angerissen werden.

Roland Mayer
Neu-Ulmer Zeitung 27. April 2001
Von Traumstädten und urbaner Wirklichkeit

Vom mittelalterlichen Stadtbild über visionäre, expressionistische Entwürfe bis hin zur postmodernen Fassadengestaltung schlägt die Ausstellung „Dream City“ einen Bogen, die als internationale Dokumentation zur Zukunft der Stadträume die Projektreihe „Architektur und Umwelt“ im Stadthaus beschließt. Die Schlaglichter der großzügig gestalteten Schautafeln, Modelle und Fotografien vermitteln dem Besucher keine Geheimrezepte, aber imposantes Anschauungsmaterial. Darunter verblüfft Hans Scharouns Entwurf zur Neugestaltung des Münsterplatzes von 1924 schon zur Hälfte mit den bekannten Meierbau-Rundungen. Beeindruckt auch Claudio Hils Fotografie mit metropolischen Schnappschüssen aus der ganzen Welt.

Deutsches Architektenblatt – Ausgabe Baden-Württemberg April 2001
Dream City

Prunkvolle Paläste, ehrwürdige Kirchen, antike Monumente. Auf Postkarten und in Reiseführern millionenfach reproduziert, prägen diese Bilder unsere Vorstellung von Stadt. Doch sind es nicht nur die Bauten selbst, ihr Alter oder kunsthistorischer Rang, die uns in ihren Bann ziehen. Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Wahrnehmung dieser Baudenkmäler haben die Freiräume im Umfeld dieser touristischen Highlights. Ihren spezifischen Charakter erhalten diese Räume durch Proportion, Lage, Materialien, die Fassaden der sie umgebenden Bauten und nicht zuletzt durch die sich hier aufhaltenden Menschen und den Verkehr. So erleben wir Platzräume ganz unterschiedlich als belebt oder ruhig, monumental oder intim, melancholisch oder heiter.
Dream City zeichnet die Entwicklung des öffentlichen Raums europäischer Städte schlaglichtartig nach. Im Vordergrund stehen dabei die geradezu revolutionären Veränderungen, denen die Straßen und Plätze europäischer Städte im 20. Jahrhundert unterworfen waren. Doch beschränkt sich Dream City nicht auf einen Blick auf Europa. Die derzeitige städtische Entwicklung kann in einer globalen Welt, in der unterschiedlichste Leitbilder und Ideale über die Medien gleichzeitig und über verfügbar sind, gar nicht mehr isoliert gesehen werden. Und gerade angesichts der chaotisch wachsenden städtischen Agglomerationen in Asien, Südamerika und der dritten Welt stellt sich die Frage, ob das Festhalten am Bild der traditionellen europäischen Stadt nicht längst ein irrealer Traum ist. Dieser Gedanke drängt sich nicht zuletzt in den beeindruckenden Fotos von Sao Paulo, Bangkok, Tokio und Los Angeles auf, die der bekannte deutsche Fotograf Claudio Hils für die Ulmer Ausstellung aufnahm.



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Neuland

T.O. Immisch
Fotonews
Claudio Hils
Neuland

Claudio Hils hat sein sozial-historisches Interesse und Engagement nicht nur durch seine eigene fotografische Arbeit belegt, sondern auch als Entdecker, Erschließer und Publizist einer Werkgruppe des Jahrhundertwende-Fotografen Friedrich Pöhler, der einige Jahre lang der Dorffotograf einer pietistischen Brüdergemeinde mitten im katholischen Oberschwaben war. Pöhlers Gesellschaftsportrait von Wilhelmsdorf publizierte Hils unter dem schönen Titel „Von Königskindern und anderen“. – Er denkt historisch, reflektiert mehr als die jeweilige Aktualität und das kommt seinem Fotografieren zugute.
„Neuland“ heißt das Buch zu Hils´ Ausstellung, die derzeit tourt. Der Titel birgt eine Mehrdeutigkeit, die etwas aussagt über das besondere Verhältnis zwischen dem Gegenstand dieser Bilder und ihrem Fotografen: Neu für die Bewohner Ostdeutschlands waren und sind die politischen, ökonomischen, kulturellen, kurz: gesellschaftlichen Wechselfälle und Veränderungen des letzten Jahrzehnts. Neu, neben der Situation einer Gesellschaft im radikalen Umbruch, war das Land für den Fotografen auch biographisch, das er sich während dieser Zeit arbeitend erschlossen hat, getrieben von einer Tugend dokumentarisch bzw. journalistisch Arbeitender: Neugier.
Das beeindruckende Ergebnis von Hils´ Arbeit ist eine der seltenen thematischen Langzeituntersuchungen sozialdokumentarischer Art. Sozialdokumentarische Projekte, die an gesellschaftlichen Verhältnissen und Bedingungen, in und unter denen Menschen leben, interessiert sind, waren in der ostdeutschen Fotografie der 70er und 80er Jahre besonders wichtig und wirkungsvoll – auch als Kompensation der Problemignoranz in den offiziellen Medien. Seit den späteren 60ern waren sie aber eine internationale Tendenz. Während der 70 und 80er Jahre spielte solch engagierte Fotografie auch in Westdeutschland ihre Rolle (z.B. Rambows Aktion mit seinen Studenten „Das sind alles bloß Bilder der Straße“ oder die Endlos-Dokumentation öffentlichen geselligen Lebens des Westberliner Ehepaars Nothelfer). Sozialdokumentarisches Fotografieren mag in den letzten Jahren – vielleicht besonders im Osten – etwas in den Hintergrund getreten sein, jetzt, 10 Jahre nach der ostdeutschen Revolution und der deutschen Vereinigung und am Ende des Jahrhunderts, wird sie wieder verstärkt wahrgenommen.
Bemerkenswert bei Hils und Teil seiner konsequenten und konzeptbestimmten Arbeit ist, dass er nicht nur sein Thema fotografierte, sondern sich auch um die Ausstellungstour – besonders dort, wo die Bilder entstanden – kümmerte und darum, ein Buch daraus zu machen, das bleibt, wenn die Ausstellungen vorbei sind. Aus dem sehr lesenswerten Essay von Uwe Zahlaus in diesem Buch sei eine rhetorische Frage zitiert: „Wer hält inne, um die Zeit zu befragen, den Dingen Geschichte zu geben? Die Zeit ist der Geschichte gegenüber scheinbar zum Selbstläufer geworden.“ Genau das: den Dingen, Situationen, Konstellationen, unbeständig im – zumal beschleunigten – Fluss der Zeit, Geschichte zu geben, immer wieder innezuhalten und aufzuheben, was ihn innehalten ließ, das tut der Fotograf. Wie nun geht er dabei zu Werke?
Zunächst fällt auf: Es sind durchweg querformatig liegende Bilder – ruhiger und ausgiebiger Betrachtung zugedacht mit ihrem Seitenverhältnis, das in der klassischen Malerei der Landschaft, dem Historienbild, teils auch dem Genrebild zukam.
Häufig schaut der Fotograf auf Schauende, die etwas zu ersten Mal erblicken und nicht gleich fassen können – eine Verdoppelung des Blicks, besser: des Blickens, die deutlicher macht, eigens darauf hinweist, was da geschieht, auch wenn das Ereignis selbst nur angedeutet ist. Oder er nimmt Menschengruppen (z.B. die Karnevalisten) bzw. Menschenmengen (z.B. am U-Bahnhof Schlesisches Tor) direkt, frontal auf, Auge in Auge – als Konfrontation mit dem Ereignis. Seltener – und häufiger bei Gebautem – findet sich der seitliche, registrierende Blick, der eher ein Geschehen beschreibt, es mehr beiläufig passieren lässt – passieren als sich ereignen, sowohl, wie als vorbeigehen. Bei allen drei Blickrichtungen bzw. Aufnahmepositionen waltet immer Distanz: der Fotograf will weder sich überwältigen lassen, noch die Betrachter seiner Bilder überwältigen, sondern die Dinge und Situationen selbst sprechen lassen, zu ihrer Klärung beitragen. (Manfred Schmalriede schrieb in einem Text zu Hils´ Ausstellung: „Die Bilder sind auf Distanz angelegt, um den Voyeur zu vermeiden und die kritische Position zu ermöglichen.“) Und eines weiteren Mittels, der Distanzierung, bedient sich der Fotograf. Immer wieder finden sich optische Barrieren, ist der Blick behindert, verstellt, verschleiert oder gerastert: durch Menschen, Bauten, Gitter, Netze. Die Distanz, über die sich Hils` kritische Reflexion vermittelt und die die unsere herausfordert, die wir ja auch Beteiligte am fotografierten Prozess sind, diese Distanz kommt im Buch besser zur Geltung als in der Ausstellung. In der Arbeit des Fotografen findet eine mehrfache Verschränkung statt, sie zeigt den Osten im Westen (Menschen, die etwas suchen, die abwägen) wie den Westen im Osten (Menschen, Produkte, Markenzeichen, die propagieren, promoten, besetzen) für den Fotografen das Vertraute im Fremden, für die Betrachter im Osten das zunächst Fremde im Vertrauten.
Für dies In- und Miteinander des Verschiedenen findet er immer wieder Zeichen, Fahnen zumal (die deutsch, die Reichskriegsflagge, die rote; die russische), Partei- und Produktsignets. In solchen Zeichen gerinnt das Thema: der Kulturbruch als Kontinuität. Oder, um noch einmal Uwe Zahlaus zu zitieren: „Der Betachter wird mit provozierender Symbolik konfrontier, doch nicht, um zu vermitteln, sondern um das Zeitgeschehen transparenter zu machen, um herauszustellen, wo sich die seelische Souveränität in winzigen Momenten oder kausalen Zusammenhängen befindet.“
Und: „Die Fotografien von Claudio His sind keine Errungenschaften eines heimlichen Beobachters, vielmehr ist die Last des fotografischen Moments ein Weg zu Rätsel: Ich, beim Gang durch die Metamorphose.“ Und das gilt für uns alle.

Andreas Langen
Die Woche 23. Juli 1999
Mauerland
Eigentlich wollte Claudio Hils nur den Mauerfall fotografieren. Daraus wurde ein Zehnjahresprojekt, das jetzt Furore macht

Die Neonazis haben ihn sofort entdeckt. Den ganzen Abend schon ist der Fotograf Claudio Hils auf den Straßen von Leipzig unterwegs und hat sich unter Schwarzrotgold schwenkende Massen gemischt, deren ganzes Vokabular aus dem zweisilbigen Namen ihres Vaterlandes besteht. Da stößt er am Schluss des Umzugs auf ein gutes Hundert Geschworene, die das gleiche Wort skandieren, aber andere Fahnen dazu schwenken. Hils riskiert eine Aufnahme mit Blitzlicht und augenblicklich kommt die Meute auf ihn zu.
Angst macht schnell. Der Fotograf rennt wie um sein Leben, eine wutschäumende Horde auf den Fersen, und kann die Verfolger schließlich abschütteln – bis auf drei. Denen stellt er sich, bewaffnet mit seinem massiven Stabblitz, in einer dunklen Nebenstraße. Hils kassiert etliche Tritte mit Springerstiefeln, bis Passanten auftauchen und die Angreifer von ihrem Opfer ablassen.
Die Dramatik jenes Vorfalls vom Februar 1990 hat in Hils´ Bildern kaum eine Spur hinterlassen – eine verhuschte Reichskriegsflagge, ein paar gereckte Arme und am unteren Bildrand ein blasser Junge, der es eilig hat zu verschwinden: scheinbar nur ein flüchtiger Schnappschuss, tatsächlich aber eine exakte Komposition voller Anspielungen und Symbolik.
Nach diesem Prinzip hat Claudio Hils auch das große historische Drama seit 1989 in Bilder gefasst – distanzierte, detailscharfe Studien vom Werdegang der deutschen Einheit. Dass aus einem Berlin-Trip im November 19879, damals Pflichtprogramm jedes Bildjournalisten, einmal ein zehn Jahre umspannendes Buch- und Ausstellungsprojekt würde, war nicht abzusehen. Seine Fahrt vom Wohnort im Ruhrgebiet an die fallende Mauer war eher eine Trotzreaktion: „Eine Woche lang hatte ich mich zu Hause von Sendern, Zeitungen und Magazinen voll stopfen lassen“, erzählt er, „dann war mit von all den fetten Jubel-Schlagzeilen so übel, dass ich eigene Bilder dagegensetzten musste – als eine Art optische Ausnüchterungskur.“
Das Ergebnis ist weit mehr als eine persönliche Abrechnung mit der Klischee-Maschine der Massenmedien. Hils ist an der Universität Essen durch die Schule von Angela Neuke gegangen, die just 1989 den programmatischen Bildband „Staatstheater- Medienzirkus“ publizierte. Darin seziert Neuke den Pomp von politischen Spitzenereignissen; Hils richtet den gleichen Schafblick auf Nebenschauplätze der deutsch-deutschen Vereinigung.
Die Reise beginnt mit einem Verhau von Kamerastativen, die die Aussicht aufs Brandenburger Tor verstellen. Dann folgen Dokumente der chaotischen Anfangszeit, Menschenmassen und Konsumrausch. Später, als draußen im Land Ernüchterung um sich greift, beruhigen sich der Rhythmus und die Motive, bis hin zur Erstattung im Raster der Baugerüste. Keine Unterschriften stören den leisen Fluss der Bilder, deren Präzision sich mit einer unschuldigen Farbigkeit tarnt – Geknipstes wie vom letzten Urlaubsfilm, den man schnell noch irgendwie voll gemacht hat. Doch bei genauem Hinschauen verdichtet sich die Einzelheiten zu manchmal absurden Szenen. Links schleppen Männer Bananenkisten aus einem Bus der Firma Mercedes-Benz, rechts gerät ein Wartburg auf dem Ku`damm in eine Demo linker Aktivisten – die DDR-Insassen schauen ziemlich perplex aus ihrem frisch geputzten Auto. Fast schon Mitleid kommt auf angesichts der abziehenden Rotarmisten, die sich mit falsch geschriebenen Transparenten und hilfloser Zinnsoldaten-Steifheit verabschieden; erbarmungswürdig die Inbrunst, mit der Ost-Bürger vor winzigen Schwarzweiß-Fernsehern hocken und dem Kanzler der Einheit lauschen.
Hils´ Bilder sind eingerahmt von Texten, die sein Thema auf sehr unterschiedliche Weise weiterspinnen – einer Erzählung von Martin Walser aus den 50er Jahren und einem Vorwort des Leipziger Herausgebers Uwe Zahlaus. Der kommentiert die Bilder-Erzählung mit hoch dosierter Geschichtstheorie und endet, wie der Fotostrecke, an den Ruinen der Grenzkontrollstelle Marienborn: „Noch steht die Arena wie ein Appellplatz, auf dem unterm gleißenden Licht über scheinbare Sicherheit und wirkliche Ängste befunden wurde.“
Ironie der Geschichte: Ausgerechnet jene Volkspartei, die sich konservativ nennt, fordert heute den Abriss dieser Grenz-Relikte.


Julia Grosse
Süddeutsche Zeitung 3. August 1999
Erst abgestellt und dann vergessen
Claudio Hils zeigt in Iserlohn Fotografien vom Westen im Osten und Osten im Westen

Diese Werbekampagne war schon alt, als sie Mitte der achtziger Jahre entwickelt wurde: junge Pärchen, laufen durch die Straßen, unter ihrem Arm eine überdimensionierte Packung Wrigley´s Spearmint. Alle Insignien dieses Jahrzehnts saßen am rechten Platz, die Haarschleife, die runden Plastikohrclips, das Streifenhemd, der Ballonrock, die Wetgeltolle, das Plastikgrinsen.
Wohin gingen diese Pärchen, die Konsumartikel bei sich trugen wie eine Bewerbungsmappe? Gewiss nicht zum Arbeitsamt, denn Sorgen hatten die Teenager in der westlichen Werbung der Achtziger Jahre nicht wirklich. Anders die Teenager, die über zehn Jahre lang an diesen verschlissenen, immer noch lächelnden Pappkameraden, abgestellt vor einem schlichten Wohnhaus in Leipzig, vorbeigegangen sind.
Der Dokumentarfotograf Claudio Hils machte diese Aufnahme vom Reklamepärchen 1997. ein Vergleich: hätte ein Kioskbesitzer in Köln ein solch unmodernes Schild an seiner Wand stehen, er könnte getrost den Laden dicht machen.
Claudio Hils wählt Motive wie diese bewusst, verweist aus gewisser Distanz auf einen Zustand, den andere Fotografen mit großer Symbolik und zu oft gesehenen Zeichen, Szenen beladen.
Zwar zeigen seine Farbdokumentationen über West- und Ost-Berlin, Leipzig und Umgebung – in einem Zeitraum von 1989 bis 1999 – die Ausgabe des Begrüßungsgeldes, sichtlich staunende DDR-Bürger vor West-Schaufenstern, die große Wiedervereinigungsfeier am Brandenburger Tor und schaurig verlassene Satellitenstädte aus endlosem Sichtbeton, doch machte es Claudio Hils nie zum Klischee. Selbst die distanzierte Aufnahme dreier Männer, die vor ihren cremefarbenen Trabants sitzen und in der „Blauen Adria“ fischen, im Hintergrund verschwindend klein ein Kraftwerk, ist respektvoll, und überdies gestalterisch unheimlich interessant.
Die zur Zeit laufende Ausstellung in Iserlohn, „Neuland“ hat man sie genannt, zeigt eine angenehm stumme Dokumentation des Westens im Osten, in Form moderner Insignien – der Werbung – in einer trostlosen Umgebung, und des Ostens im Westen mit dem Abzug der GUS-Truppen aus Berlin. Optisch übrigens sehr schön umgesetzt ist auch der zur Ausstellung erschienene Katalog. Den von der Druckqualität her sehr gut übertragenen, blassbunten Querformaten Hils´ wurde sehr viel Platz gelassen. Sich den Bildern anpassend, erschient das Buch denn auch im Querformat. Anstelle des Martin-Walser-Textes „Templones Ende“, hätte man sich jedoch mehr konkrete Gedanken zu den Bildern Claudio Hils´ gewünscht.

Susanne Henle
Kunstmarkt 18. September 1999, Nr. 2
Große Gestalten, kleine Leute auf Neuland
In Köln: Fotografien und Fotoarbeiten von Arnold Newman, Claudio Hils, Rivka Rinn, Claudio Moser

Eine Reihe von Galerien bereichern das Ausstellungsangebot der dreizehnten Internationalen Photoszene Köln. Ihre Offerten, von klassischen Schwarzweißabzügen bis zu großformatigen, digital bearbeiteten Tintenstrahldrucken, verdienen im derzeitigen Kölner Markt die größte Aufmerksamkeit. Rudolf Kicken stellt einen Altmeister des Portraits aus, den 1918 geborenen New Yorker Fotografen Arnold Newman. Newman wurde bereits 1945 bekannt, als das Philadelphia Museum of Art seine Ausstellung „Artists look like this“ auf eine Tournee durch die Vereinigten Saaten schickte. Viele weitere Künstlerporträts folgten. Kicken zeigt eine Auswahl von gut zwanzig Abzügen, vorwiegend vintage prints der Jahre 1940 bis 1985. Newman konnte die Heroen der Kunst des 20. Jahrhunderts fotografieren, und seine Fotografien entsprechen den Erwartungen der Öffentlichkeit: Piet Mondrian, eingepasst in eine orthogonale Ordnung aus Staffelei und Wand. Max Ernst, geheimnisvoll verschleiert in Rauchwolken thronend, neben sich eine Katchina-Puppe. Jackson Pollock im Overall mit gequält zerfurchter Stirn und lässig gehaltener Zigarette, in ummittelbarer Nachbarschaft zu einem Totenschädel, vor sich das Chaos zahlloser offener Farbtöpfe. Die Künstler inszenieren sich selber; Newman hilft ihrem Image nach. Bei Igor Strawinsky stellte die Verbildlichung der Musik ein Problem dar, das Newman genialisch löste: Der Flügel wurde aufgeklappt, so dass neben dem sitzenden Komponisten eine riesige schwarze Klangwolke aufzusteigen scheint. Edward Hoppers Bildnis ist scheinbar simpel, dabei meisterhaft: Der Maler sitzt sonnenbeschienen und ausladend im Feien, mit direktem Blick in die Kamera. Sein Haus mit dem riesigen Atelierfenster ragt im Hintergrund auf, winzig steht Jo Hopper daneben.
Newman beherrscht auch die leisen Töne. Anrührend sind jene Portäts, die die Künstler jenseits von Image und Pose zeigen: den sechsundachtzigjährigen Georges Rouault mit weißer Kappe, das seitwärts gewandte Gesicht gerahmt vom hochgeschlagenen Kragen eines Tweedmantels, und Masrilyn, im Todesjahr 1962 in Beverly Hills aufgenommen, zart und traurig im verschatteten Halbprofil. Kickens Preisgestaltung ist ein Lehrstück über die Bevorzugung der vintages, das heißt der Abzüge, die kurz nach der Aufnahme ausgeführt wurden. Diese kosten zwischen 12 000 und 30 000 Mark. Die so genannten modern prints dagegen, die weit später als die Aufnahme entstanden, wenn auch immer noch unter Aufsicht des Fotografen, sind mit je 5000 Mark beziffert. (Bis 17. Dezember. Der Katalog kostet 40 Mark.)
Newman zeigt die großen Künstlergestalten in der zweiten Jahrhunderthälfte. Der Essener Claudio Hils, Jahrgang 1962, hat seine Kamera auf die „Kleinen Leute“ gerichtet, die in den neuen Bundesländern den Umbruch erlebten. Die Farbfotografien dieser sozialdokumentarischen Studie der Jahre 1989 bis 1999 sind unter dem Titel „Neuland“ bei Sabine Schmidt ausgestellt. Sie übertreffen die reine Dokumentation etwa der Montagsdemonstrationen oder der ersten „West-“Einkäufe dort, wo Hils einen Einzelnen heraushebt, etwa den jungen russischen Offizier in strammer Haltung, 1994 beim Abzug der GUS-Truppen aus dem sommerlichen Berlin, oder den Arbeiter in Motorradfahrerkluft, der, jetzt allein auf dem stillgelegten Betriebsgelände des Braunkohlenkombinats Bitterfeld, noch mal in ein Fenster schaut. Nachhaltig überzeugen die durchkomponierten Architekturaufnahmen: so der Blick in ein überdimensioniertes Bauwerk des Potsdamer Platzes, wo, anscheinend überwältigt, eine ältere Frauengestalt steht. (In einer Auflage von fünfzehn kosten die sechzig mal siebzig Zentimeter messenden Fotos mit Rahmen je 1450 Mark. Bis 30. Oktober.)
Die Fotografien von Hils zeigen Veränderungen, Umbrüche, indem sie einen Anblick festhalten. Für die Berliner Künstlerin Rivka Rinn, die 1950 in Tel Aviv geboren wurde, gibt es keinen Stillstand. Sie fotografiert aus dem Auto oder aus dem Zug heraus. Reisend ist sie bei sich. Für Rivka Rinn liegt der „Place for the Self“ irgendwo zwischen den Wohnungen, auf Straßen, Tunnels, Bahnhöfen. Sie hat Schwarzweißfotografien dieser Durchgangsstationen und namenlosen Allerweltsorte auf Aluminium drucken lassen: verwischte, verschwommene Spuren nächtlicher Fahrten durch anonyme Großstädte. Schemenhaft tauchen Tankstellen, Verkehrszeichen, Lampen auf, Oberleitungen zeichnen sich vor hell angestrahltem Himmel ab. Der metallisch schimmernde Untergrund dieser Fotoarbeiten verstärkt den Eindruck einer durchindustrialisierten, in hoher Geschwindigkeit befindlichen Welt, die Verweilen nicht mehr gestattet und die nur künstliches Licht noch erleuchtet. Christel Schüppenhauer stellt Rivka Rinns Arbeiten der Jahre 1993 bis 1997 aus. Im Format siebzig mal hundert Zentimeter, Auflage fünf, kosten sie je 3 500 Mark. (Bis 23. Oktober.)
Rivka Rinn benutzt den Fotosiebdruck auf Aluminium, um den Ausdruck ihrer Aufnahmen zu steigern. Um malerische Wirkungen vor allem geht es dem Bastler Claudio Moser, Jahrgang 1959, wenn er in diesem Jahr erstmals den Tintenstrahldruck einsetzt. Für ihn bedeutet diese Technik ein neues, fruchtbares Arbeitsfeld. Welch hervorragende Ergebnisse sie ermöglicht, ist bei Rolf Ricke zu sehen, der sich der Fotografie gewöhnlich nicht widmet. Mosers fünf großformatige Drucke – sie messen 151 mal 229 Zentimeter – haben starke bildnerische Qualität.
Für Moser sind die Tintenstrahldrucke dem menschlichen Auge näher als die Fotoabzüge. Die Gegenstände erscheinen gleichberechtigt tonig, es gibt keine Primärschärfe und Unschärfen. Mosers Objekte sind bedeutungslos: Unterholz, eine Waldlichtung, ein Stück Maschendraht vor aufgespanntem Stoff. Das Licht ist das Entscheidende, wenn der Fotograf, wie er sagt, die Welt als Spaziergänger sieht und sich von der Realität verführen lässt. Schönheit also ist das Ziel. Moser lässt die Aufnahmen digital bearbeiten, spielt Grautöne durch, wenn er Unterholz zeigt, kostet bläuliche Schattierungen eines Gewebes aus, lässt ein ganz schwaches helles Rot zwischen nahezu schwarzen Baumstämmen schimmern, Blattwerk durchsichtig werden. Diese feinen Modulationen sind jeweils streng einem Thema untergeordnet, einer Over-all-Struktur wie bei Pollock etwa oder der Beschränkung auf zwei parallele Bildebenen. Die digitale Technik bietet, was man von ihr am wenigsten erwartet hätte: subtile, stimmungshafte Bilder. (Die Drucke in einer Auflage von drei kosten je 11 500 Mark. Bis 2. Oktober.)

Andreas Hergeth
Die Tageszeitung 16./17. Oktober 1999
Alte Bekannte
Besser leben in der neuen Welt: Das Kulturamt Friedrichshain zeigt unter dem Titel „Neuland“ Fotoarbeiten von Claudio Hils

Auch die DDR-Bürger wollten besser leben. Deshalb pappten sich Leipziger am Wahlabend des 18. März 1990 Aufkleber der CDU mit dem Spruch „Ja! Besser leben!“ an ihren alten, in der Sowjetunion produzierten Fernseher der Marke Junost und breiteten vor dem Fernseher ihre Deutschlandfahnen aus.
Und selbst wenn die Geräte oft verzerrte, schwarzweiße Bilder erzeugten und Kohl noch dicker aussah als sonst, ließen diese Arrangements an Altare im Neuland denken: Also zeigt die Fotogalerie des Kulturamts Friedrichshain auch unter dem Titel „Neuland“ Fotografien von Claudio Hils, die im Jahrzehnt nach dem Mauerfall entstanden.
Nach Friedrichshain passt die fotografische Dokumentation zwischen Geschissschreibung und Bildgeschichte gut, wird doch der neue Szenebezirk mit ungebrochener Sanierungswut rausgeputzt.
Alles wird bunter. „Zu viel Farbe“, hat deswegen auch ein Besucher ins Ausstellungsbuch geschrieben, „mir fehlt die Seele des Dokumentarischen.“ Doch so ganz richtig hat er nicht hingeschaut. Denn der Essener Fotograf legt mit „Neuland“ eine Arbeit vor, „deren Dokumentationstiefe und Aussagevielfalt von Sensibilität im Umgang mit einem zeitgeschichtlichen Thema spricht“, wie Uwe Zahlaus im Katalog schreibt.
Und weil das Thema die Zeiten- und Gesellschaftswende im Osten ist, trifft man sozusagen auf alte Bekannt: Ostberliner, die den U-Bahnhof Schlesisches Tor im November vor zehn Jahren überfüllten; Grenzsoldaten und Mauertouristen am Potsdamer Platz; Deutschlandfahnen auf einer Leipziger Montagsdemo, daneben Faschos mit der alten Reichsflagge. Claudio Hils zeigt die Symbolik der neuen Welt. Und die ist eben durch den Westen bestimmt, durch die Verheißungen der neuen Waren- und Werbewelt.
Schöner staunen war nie. Und wenn es blöde Wichtelmänner in einem Schaufenster auf dem Ku´damm sind. Lange Zeit zum Bestaunen der neuen Wahrzeichen blieb jedoch nicht. Schon im März 1990 machte Hils die Aufnahme von einer Demonstration zum Erhalt von Arbeitsplätzen in Borna. Und auch abziehende russische Soldaten, die noch einmal paradieren, verwaiste Betriebsgelände und triste Tagebaulandschaften vermitteln nicht gerade das Bild einer schönen neuen Welt.
Claudio Hils richtete sein Objektiv vor allem auf die Ambivalenzen der neuen gesamtdeutschen Wirklichkeit. Und da sieht man dann keine glücklich lachenden Menschen mehr, sondern durchgestylte und öd wirkende Plätze wie die Potsdamer-Platz-Arkaden, besetzte Häuser (die wahrscheinlich schon geräumt sind), sanierte Hochblockhäuser, die trotz Farbe steril wirken, oder Menschen beim „illegalen Grenzübertritt“ bei Zittau. Die wollen auch nur ins „Neuland“, müssen aber oft genug draußen bleiben.

Franz-Xaver Schlegel
14. Juni 1999
Neuland. Fotografien von Claudio Hils 1989-1999
17. 9. – 30.10. Fotogalerie, Kulturamt Friedrichshain, Berlin

Zeitbilder: Die Fotografien von Claudio Hils sind bildgewordene deutsche Geschichte. Der Blick