"Der Betrachter ist diejenige Instanz, welcher die Kunst im Eigentlichen
erst authentisch macht. Reuter überläßt es dem Betrachter,
seine eigene Wahrheit im Bild zu finden, die dem Werk erst seine Authentizität
verleiht. In seiner Serie "Memento" befragt er die verschiedenen
Rezeptionsmöglichkeiten und untersucht, wie man zur Wahrheit gelangen
kann.
Die Objekte, die er in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt, hat
er meist zufällig gefunden. Viele in Berlin und einige auf Reisen.
Es läßt sich eine Kontiunität von Fragmenten feststellen,
die sich mit der Zeit um den Zweiten Weltkrieg beschäftigen, doch
Reuters kriegsgeschichtliches Interesse wird gebrochen durch Fundstücke
aus der unmittelbaren Gegenwart, wie etwa dem "Helm", der im
Zusammenhang mit dem Fall der Mauer steht, oder im Abbild des toten Hasen,
der künstlerische Querverweise auf Dürers "Feldhasen" zuläßt.
(...) Eine weitere Komponente der Orientierung stellen die Bildlegenden
dar, welche sich (...) [im Katalog] begleitend zur Serie befinden. Durch
die beigefügten Legenden erhalten die Fotografien einen seltsamen
Zug von Morbidität, welcher der glatten und ästhetischen Schönheit
in einer bedrohlichen Art und Weise gegenüber steht. Denn sie decken
die geschichtlichen Hintergründe und die näheren Umstände
der Objekte auf, die auf Geschehnisse verweisen, die zum größten
Teil mit dem Tod endeten. Ganz klassische künstlerische Themen stehen
somit im Mittelpunkt der Serie "Memento". Leben, Schönheit,
Vergänglichkeit und Tod. (...)"
Vivian Kea
aus: Alex Reuter. Memento (abgedruckt im Katalog "Alex Reuter.
Memento", Edition J. J. Heckenhauer, Tübingen/Berlin 2005.
Den Katalog mit dem vollständigen Text von Vivian Kea können
Sie über unsere Galerie beziehen).
[ Publikation ] |