Robert
Lebeck. Preußisch Blau. Fotografien
Von Hans-Michael Koetzle
Vorstellen
muß man ihn wohl nicht. Robert Lebeck, am 21.März 1929 - vor
genau 75 Jahren also - in Berlin geboren, zählt zu den Großen
der deutschen Nachkriegsfotografie, des Nachkriegs-Fotojournalismus, um
genau zu sein. Denn darauf hat Robert Lebeck eigentlich immer Wert gelegt:
nicht Kunst machen zu wollen, sondern die Daheimgebliebenen mit bildhaften
Informationen zu versorgen. "I am a journalist", hat er einmal
- auf die Frage eines Lexikons nach seinem Selbstverständnis - ebenso
knapp wie dezidiert geantwortet. Eine Maxime, an die er sich bis zu seinem
Abschied vom Stern Ende der 90er Jahre streng gehalten hat. Was nicht
bedeuten soll, daß nicht auch Robert Lebecks Bilder in hohem Maße
gedachte, "gebaute" ästhetische Bilder sind, sprich: über
die bloße Schilderung eines Ereignisses hinaus zu merkfähigen
Metaphern werden können. Man denke nur an sein großartiges
Portrait von Konrad Adenauer, dessen hart angeschnittenes Gesicht vielleicht
nicht gerade den Normen des Genres entspricht, dafür aber den Schalk
im Auge des "Alten" um so mehr zur Geltung bringt. "Fotografieren",
hat Robert Lebeck einmal gesagt, "heißt Regeln verletzen."
Wer Robert Lebeck erinnert, erinnert ihn als Mann der Presse. Und als
Vertreter einer mittlerweile schon klassisch zu nennenden Schwarzweißfotografie
- vom berühmten "Degenbild" (Leopoldville,1960) bis hin
zu "Deutschland im März" (1983) - als Reportage gewiß
ein später Höhepunkt des Fotojournalismus. Das er neuerdings
"Kunst" macht, ist keinem mehr "unheimlich" als Robert
Lebeck selbst. "Ich hätte mich selbst für verrückt
erklärt, wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte,
daß ich mal solch Bilder mache", gesteht der mittlerweile in
Berlin lebende Fotograf. Aber vielleicht ist der weg in die Abstraktion
ja nur die logische Fortschreitung eines ganz der realistischen Darstellung
verpflichteten Lebenswerks. Und Robert Lebeck wäre nicht der einzige,
der ihn gegangen ist.
Angefangen hat bei Robert Lebeck alles mit einem Präsent. Weihnachten
2002, so der Fotograf, hätte ihm seine Frau Cordula die DIGILUX 1
geschenkt. "Sie wollte einfach, daß ich etwas zum Nachdenken
habe. Und das ich spazierengehe. "Die DIGILUX habe sie ausgesucht
wegen des großen Displays. "Meine Augen sind ja nicht mehr
so toll", sagt Lebeck, der schnell mit der Technik der Digitalkamera
zurechtgekommen scheint und bereits im Januar 2003 eine stattliche Serie
vorweisen kann. Berlin zur blauen Stunde, so könnte man einen Zyklus
überschreiben, der entlang jener wundersamen Grenze vom Tag zur Nacht
entstanden ist. Lebeck fotografiert im Stehen, im Gehen, am liebsten vom
Oberdeck der die Stadt zügig durchquerenden Berliner Busse, durch
die - nicht selten regennasse - Scheibe also: "Dann hat man diese
Reflexe drin", wie Robert Lebeck unterstreicht, der seine Fotografie
zunächst als eine Art späte Schule des Sehens begreift: "Man
sieht ja doch viel mehr, als wenn man nur so rumbummelt. "Für
Lebeck ist dies auch eine neuerliche Annäherung an seine alte Heimatstadt,
die der Fotograf - dürfen wir ihn schon "Künstler"
nennen? - an jener aufregenden Schnittstelle zwischen Historie und Zukunft
visuell in den Griff zu bekommen sucht, die nun einmal das neue Berlin
charakterisiert. Erste kritische Betrachter haben Lebecks jüngste
und so ganz andere Arbeiten ausgesprochen positiv aufgenommen. Was ihn
nicht nur ermutigt hat, die Serie fortzuschreiben, sondern auch, damit
an die Öffentlichkeit zu treten. "Kunst" zitiert Robert
Lebeck mit einem Schmunzeln seine frühere Frau Elke Dröscher,
"ist, wenn man es nicht anders kann." Da spricht noch einmal
der entschiedene Fotojournalist, der unversehens und quasi über Nacht
angekommen ist bei den "schönen Künsten".
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