Glaube, Liebe,
Hoffnung
Aus dem Russischen von Christine Roth Die
Serie "Glaube, Hoffnung, Liebe" führt Überlegungen
zum Thema Identifikation, das Gespräch darüber "wer wir
sind und warum wir hier
sind" fort. Die Panoramalandschaften Zentralrußlands nahm
Vladimir Kuprijanov im Sommer 2004 im Jaroslawler und Tulaer Gebiet auf.
Die Technologie der digitalen Aufnahme ermöglichte die notwendigen Details der russischen
Natur und der konkret gewählten Landschaft einzufangen. Auf den Aufnahmen
ist jede Klette, jeder Stiel des Beifuß und jede der wie vom Himmel
gefallenen gelben, violetten oder orangenen künstlichen Friedhofsblumen
mit Sinn erfüllt. Den Fragmenten
des Dorffriedhofes verleiht der Künstler eine besondere Symbolik.
Kuprijanov zufolge befindet sich gerade hier der Platz heutiger Betrachtungen:
Er ist, gewiß, provozierend, aber nicht aggressiv und unbedingt
naiv,und erinnert den Betrachter eben damit an die klassische Literatur
des XIX Jahrhunderts. Die Grundlage der Serie "Viktoria" bilden
bearbeitete Varianten von Fotografien aus dem Archiv einer Familie. Streng
genommen werden uns nicht wesentlich mehr als diese Ausgangsfotografien
gezeigt; es finden sich keine "gewaltsamen" Eingriffe auf den
Arbeiten. Sie sind so aufgebaut, daß alle "Eingriffe",
alle Spannung, der ganze künstlerische Reichtum praktisch im Auge
des Betrachters selbst und durch die Gesetze der Optik zu Ende geführt
werden - und das ist möglicherweise das Überraschendste an der
Serie "Viktoria". Die Genauigkeit und die Präzision der
Metamorphose, die mit den Farbfotografien einher geht, ist beeindruckend.
Durch ganz minimales Eingreifen (Film mit einem fast durchsichtigem Schwarz
- Weißabdruck des Ausgangsbildes), wird die Farbabbildung in den
Augen reicher, die Farben satter und wirkt wie "handgemacht".
Dies wird alles lediglich dadurch erreicht, daß Farben und Helldunkel
des Ausgangsbildes durch Auflegen einer halbdurchsichtigen Replik (allerdings
schwarz - weiß, und nicht farbig) korrigiert werden. Durch die sperrige,
aber einfache Konstruktion aus Spiegel und vergrößerter Fotografie
gibt der Spiegel nicht einfach die banal flache Fotografie wider, sondern
dasselbe Bild, aber versehen mit einer Tiefe und Räumlichkeit unbekannten
Ursprungs. Es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn man den künstlerischen
Effekt dieser Arbeiten teilweise gerade dem starken Eindruck zuschreiben
kann, der durch die überwundene Natur der Fotografie entsteht. Die
komplizierten Spiele, die diese Arbeiten mit der Aufmerksamkeit des Zuschauers
veranstalten, lenken den Betrachter anscheinend von den Gedanken an der
ihnen innewohnenden Fremdartigkeit ab. Und während die Aufmerksamkeit
abgelenkt ist, gelingt es innerhalb der Wahrnehmung eine Verbindung mit
dieser oder jenen Arbeit aufzubauen, die den Betrachter mit der Empfindung
einer direkten Begegnung mit dem abgebildeten Moment belohnt.
|