Frère et soeur (aus der Serie: Viktoria), 2004, C-Print und s/w-Print, 45 x 44 cm, Auflage 3
Frère et soeur (aus der Serie: Viktoria), 2004, C-Print und s/w-Print, 45 x 44 cm, Auflage 3

07.01.05 - 23.02.05
Vladimir Kuprijanov | Glaube, Liebe, Hoffnung

Glaube, Liebe, Hoffnung

Aus dem Russischen von Christine Roth

Die Serie "Glaube, Hoffnung, Liebe" führt Überlegungen zum Thema Identifikation, das Gespräch darüber "wer wir sind und warum wir hier

sind" fort. Die Panoramalandschaften Zentralrußlands nahm Vladimir Kuprijanov im Sommer 2004 im Jaroslawler und Tulaer Gebiet auf. Die Technologie der digitalen Aufnahme ermöglichte die notwendigen Details der russischen Natur und der konkret gewählten Landschaft einzufangen. Auf den Aufnahmen ist jede Klette, jeder Stiel des Beifuß und jede der wie vom Himmel gefallenen gelben, violetten oder orangenen künstlichen Friedhofsblumen mit Sinn erfüllt. Den Fragmenten des Dorffriedhofes verleiht der Künstler eine besondere Symbolik. Kuprijanov zufolge befindet sich gerade hier der Platz heutiger Betrachtungen: Er ist, gewiß, provozierend, aber nicht aggressiv und unbedingt naiv,und erinnert den Betrachter eben damit an die klassische Literatur des XIX Jahrhunderts. Die Grundlage der Serie "Viktoria" bilden bearbeitete Varianten von Fotografien aus dem Archiv einer Familie. Streng genommen werden uns nicht wesentlich mehr als diese Ausgangsfotografien gezeigt; es finden sich keine "gewaltsamen" Eingriffe auf den Arbeiten. Sie sind so aufgebaut, daß alle "Eingriffe", alle Spannung, der ganze künstlerische Reichtum praktisch im Auge des Betrachters selbst und durch die Gesetze der Optik zu Ende geführt werden - und das ist möglicherweise das Überraschendste an der Serie "Viktoria". Die Genauigkeit und die Präzision der Metamorphose, die mit den Farbfotografien einher geht, ist beeindruckend. Durch ganz minimales Eingreifen (Film mit einem fast durchsichtigem Schwarz - Weißabdruck des Ausgangsbildes), wird die Farbabbildung in den Augen reicher, die Farben satter und wirkt wie "handgemacht". Dies wird alles lediglich dadurch erreicht, daß Farben und Helldunkel des Ausgangsbildes durch Auflegen einer halbdurchsichtigen Replik (allerdings schwarz - weiß, und nicht farbig) korrigiert werden. Durch die sperrige, aber einfache Konstruktion aus Spiegel und vergrößerter Fotografie gibt der Spiegel nicht einfach die banal flache Fotografie wider, sondern dasselbe Bild, aber versehen mit einer Tiefe und Räumlichkeit unbekannten Ursprungs. Es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn man den künstlerischen Effekt dieser Arbeiten teilweise gerade dem starken Eindruck zuschreiben kann, der durch die überwundene Natur der Fotografie entsteht. Die komplizierten Spiele, die diese Arbeiten mit der Aufmerksamkeit des Zuschauers veranstalten, lenken den Betrachter anscheinend von den Gedanken an der ihnen innewohnenden Fremdartigkeit ab. Und während die Aufmerksamkeit abgelenkt ist, gelingt es innerhalb der Wahrnehmung eine Verbindung mit dieser oder jenen Arbeit aufzubauen, die den Betrachter mit der Empfindung einer direkten Begegnung mit dem abgebildeten Moment belohnt.