Ohne Titel (aus der Serie:
Ohne Titel (aus der Serie: "Preußisch Blau"), Farbpiezopigmentprint, 2005, 33 x 48,3 cm, Auflage 5

03.06.05 - 12.07.05
Robert Lebeck | Preußisch Blau

Robert Lebeck. Preußisch Blau. Fotografien

Von Hans-Michael Koetzle

Vorstellen muß man ihn wohl nicht. Robert Lebeck, am 21.März 1929 - vor genau 75 Jahren also - in Berlin geboren, zählt zu den Großen der deutschen Nachkriegsfotografie, des Nachkriegs-Fotojournalismus, um genau zu sein. Denn darauf hat Robert Lebeck eigentlich immer Wert gelegt: nicht Kunst machen zu wollen, sondern die Daheimgebliebenen mit bildhaften Informationen zu versorgen. "I am a journalist", hat er einmal - auf die Frage eines Lexikons nach seinem Selbstverständnis - ebenso knapp wie dezidiert geantwortet. Eine Maxime, an die er sich bis zu seinem Abschied vom Stern Ende der 90er Jahre streng gehalten hat. Was nicht bedeuten soll, daß nicht auch Robert Lebecks Bilder in hohem Maße gedachte, "gebaute" ästhetische Bilder sind, sprich: über die bloße Schilderung eines Ereignisses hinaus zu merkfähigen Metaphern werden können. Man denke nur an sein großartiges Portrait von Konrad Adenauer, dessen hart angeschnittenes Gesicht vielleicht nicht gerade den Normen des Genres entspricht, dafür aber den Schalk im Auge des "Alten" um so mehr zur Geltung bringt. "Fotografieren", hat Robert Lebeck einmal gesagt, "heißt Regeln verletzen."

Wer Robert Lebeck erinnert, erinnert ihn als Mann der Presse. Und als Vertreter einer mittlerweile schon klassisch zu nennenden Schwarzweißfotografie - vom berühmten "Degenbild" (Leopoldville,1960) bis hin zu "Deutschland im März" (1983) - als Reportage gewiß ein später Höhepunkt des Fotojournalismus. Das er neuerdings "Kunst" macht, ist keinem mehr "unheimlich" als Robert Lebeck selbst. "Ich hätte mich selbst für verrückt erklärt, wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, daß ich mal solch Bilder mache", gesteht der mittlerweile in Berlin lebende Fotograf. Aber vielleicht ist der weg in die Abstraktion ja nur die logische Fortschreitung eines ganz der realistischen Darstellung verpflichteten Lebenswerks. Und Robert Lebeck wäre nicht der einzige, der ihn gegangen ist.

Angefangen hat bei Robert Lebeck alles mit einem Präsent. Weihnachten 2002, so der Fotograf, hätte ihm seine Frau Cordula die DIGILUX 1 geschenkt. "Sie wollte einfach, daß ich etwas zum Nachdenken habe. Und das ich spazierengehe. "Die DIGILUX habe sie ausgesucht wegen des großen Displays. "Meine Augen sind ja nicht mehr so toll", sagt Lebeck, der schnell mit der Technik der Digitalkamera zurechtgekommen scheint und bereits im Januar 2003 eine stattliche Serie vorweisen kann. Berlin zur blauen Stunde, so könnte man einen Zyklus überschreiben, der entlang jener wundersamen Grenze vom Tag zur Nacht entstanden ist. Lebeck fotografiert im Stehen, im Gehen, am liebsten vom Oberdeck der die Stadt zügig durchquerenden Berliner Busse, durch die - nicht selten regennasse - Scheibe also: "Dann hat man diese Reflexe drin", wie Robert Lebeck unterstreicht, der seine Fotografie zunächst als eine Art späte Schule des Sehens begreift: "Man sieht ja doch viel mehr, als wenn man nur so rumbummelt. "Für Lebeck ist dies auch eine neuerliche Annäherung an seine alte Heimatstadt, die der Fotograf - dürfen wir ihn schon "Künstler" nennen? - an jener aufregenden Schnittstelle zwischen Historie und Zukunft visuell in den Griff zu bekommen sucht, die nun einmal das neue Berlin charakterisiert. Erste kritische Betrachter haben Lebecks jüngste und so ganz andere Arbeiten ausgesprochen positiv aufgenommen. Was ihn nicht nur ermutigt hat, die Serie fortzuschreiben, sondern auch, damit an die Öffentlichkeit zu treten. "Kunst" zitiert Robert Lebeck mit einem Schmunzeln seine frühere Frau Elke Dröscher, "ist, wenn man es nicht anders kann." Da spricht noch einmal der entschiedene Fotojournalist, der unversehens und quasi über Nacht angekommen ist bei den "schönen Künsten".