Ohne Titel (aus der Serie
Ohne Titel (aus der Serie "Distanz"), 2005, C-Print, 68 x 90 cm, Auflage 6

09.04.05 - 28.05.05
Grit Schwerdtfeger | Distanz

In ihrem Element

Von Kristina Tieke

Sie hält immer gebührenden Abstand. Wenn Grit Schwerdtfeger sich ihren Motiven nähert, dann mit jener Zurückhaltung, die ihren Ausdruck in sicherer Entfernung findet. Orte und Menschen bleiben unberührt, ganz in ihrem Element. Die Fotografie ist kein Eingriff.

In ihrer aktuellen Serie "Distanz", die im vergangenen Jahr während ihres Aufenthalts in Italien entstand, fährt die 33-jährige Leipzigerin an

Schauplätze der Freizeitkultur: Strand und Thermalbad, Park und Aussichtplattform, Sport- und Spielplatz. Erfasst werden öffentliche Räume, und doch suggeriert der streng gewahrte Abstand, dass man im Begriff ist, Privatsphären zu betreten. Denn die vertrauten Szenen verraten vertrauliche Information.

Im Park der Villa Torlonia etwa entdeckt der Betrachter ein Liebespaar, er macht sich einen Reim auf die Persönlichkeiten der Kinder, die an Rutsche und Kletternetz spielen, oder entschlüsselt auf dem Fußballfeld komplexe Gruppenbeziehungen. Grit Schwerdtfeger schärft den Blick für diese narrativen Details. Und für formale Bezüge. Da nehmen die rauhen Rinden der Bäume die grobe Zeichnung einer Steinmauer auf, fügen sich rote Kleidungsstücke diagonal ins Bild, oder zeichnen einander überlagernde Netze spannende Muster. So verweigern die unspektakulären Szenen jeden dokumentarischen Anspruch. Denn aus der Distanz erschließt sich die Komposition einer wie zufällig anmutenden Realität. Grit Schwerdtfegers Fotografie öffnet dafür die Augen.