Ohne Titel (aus der Serie
Ohne Titel (aus der Serie "Dream City"), 2001, C-Print, 50 x 40 cm, Auflage 5

20.11.03 - 12.01.04
Claudio Hils | Dream City

Die "Fotografien von Claudio Hils markieren eine extreme Position seiner Interpretationen der Städte Tokio, Bangkok, Sao Paulo, Los Angeles und Las Vegas. Einmal blicken wir direkt auf unsere Umgebung, fühlen uns als Teil davon, dann aber werden wir mit einer artifiziellen Bilderwelt konfrontiert, fremd, jedoch als inszenierte Welt schon längst Teil unserer Alltagskultur. Über Bilder von Städten zu schreiben führt nur indirekt zum Ort des Geschehens zurück. Die Stadt ist physischer Raum unserer Aktivitäten. Sie ist Ort von Ereignissen, Erlebnissen und Beobachtungen. Sie ist Orientierung und Kommunikation. Auf dem Weg vom Bahnhof ins Zentrum folgen wir den Straßen, benutzen die Gehsteige und achten auf die entgegenkommenden Menschen. Ihre Reaktionen auf unsere Aktionen erscheinen uns selbstverständlich, da wir nur selten wahrnehmen, dass wir offensichtlich Hindernisse für die anderen sind und sie uns deswegen ausweichen .(...) Ein komplexes System von Verhaltensweisen reguliert unser Zusammenleben. Claudio Hils hat in mehreren Großstädten rund um den Erdball fotografiert und Serien von Bildern zurückgebracht. Reportagen über Menschen und die Orte, an denen sie leben: die Städte. (...)

Claudio Hils zerlegt die Städte mit seinen Fotografien in Teile oder Fragmente, die, zu Serien zusammengestellt, Aspekte von Städten belegen. Darüber hinaus schafft er mit seiner fotografischen Demontage Bilder, die als Elemente der Wahrnehmung ein ästhetisches Konzept realisieren. Seine Motive lenken von Highlights und Klischees ab, die in unseren Bildern von Städten signifikant sein könnten. Sie sind an ungewohnten Orten angesiedelt: auf Müllhalden, in Industrieanlagen, Industriebranchen, an Baustellen, Straßen, Brücken und in Wohnanlagen, in Einkaufszentren oder in Parks, Zoos und Grünanlagen. Aspekte von Städten, die so selbstverständlich und überall ähnlich sind, dass wir sie ignorieren und schon gar nicht erwarten, ihnen als Gegenstand eines Bildes zu begegnen. Gerade weil diese Elemente von Städten überall zu finden sind, scheinen sie typisch für die Stadt und für die Bedingungen ihrer Existenz zu sein. (...)

Manfred Schmalriede

aus: Städte ohne Grenzen (abgedruckt im Katalog "Dream City. Zur Zukunft der Stadträume", hg. von Max Stemshorn, Hatje Cantz, Ostfildern 2001).